Coachie-Konzept

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Übungsleiter aus den eigenen Reihen gewinnen

Eine beliebte Frage, die sich Vereine immer wieder stellen ist, woher man Nachwuchstrainer/Innen bekommt. Wie kann man diesen Job, der nicht gerade wenig an Verantwortung mit sich bringt jungen Leuten attraktiv machen?

Dies gilt vor allem im Amateurbereich, in dem gerade in Nischensportarten, auch in der Regel keine üppigen Trainergehälter fließen, sondern maximal eine Aufwandsentschädigung bezahlt wird. Neben vielen anderen Ideen, ist die Einführung von Coachies eine Möglichkeit, die Nachwuchs- und Jugendarbeit in Eurem Verein anzukurbeln.

Ich stelle Euch hier ein “Coachie Konzept” vor, welches natürlich auch den jeweils gegebenen Rahmenbedingungen angepasst werden kann – oder sogar muss. Von dem Standpunkt aus, bitte ich den Artikel als Anregung zu eigenen Ideen und nur als Beispiel zu verstehen, wie es funktionieren kann. In meinem Verein wird das Konzept leider nicht mehr verfolgt, bzw. sind dort gerade aktuell (Okt. ´18) keine Coachies aktiv, allerdings habe ich zwei Jahre lang super Erfahrungen mit dieser Idee gehabt, in denen wir insgesamt sechs Coachies (von denen immer fünf im Einsatz waren) hatten, die die Trainer/Innen toll und zuverlässig unterstützten.

1. Einen Coachie definieren

Die erste Frage, die man sich stellen sollte ist: “Was will ich mit meinem Konzept erreichen?” Ziel kann es sein, junge Spielerinnen und Spieler zu finden, die als Co-Trainer/Innen im Training Aufgaben übernehmen, Gruppen selbstständig betreuen oder beispielsweise auch bei Meisterschaften Mannschaften coachen.

Ein Coachie ist also ein Jugendlicher, der an der Seite eines qualifizierten Trainers Teilaufgaben des Trainings gemeinsam mit dem Trainer/ der Trainerin oder selbstständig durchführt. Der wesentliche Unterschied zu einem Co-Trainer ist, dass es sich um Jugendliche handelt, die noch keine Trainererfahrungen haben, noch keine Lizenz besitzen und keine festen Aufgaben – wie es Co-Trainer meist haben – zu bewältigen haben. Ferner werden Coachies in Jugendmannschaften eingesetzt, die ein oder zwei Jahrgänge jünger sind, als sie selbst.

Lange Verpflichtungen vermeiden

Es ist oft ein Bedürfnis und nachvollziehbarer Wunsch, Trainer natürlich für eine komplette Saison zu verpflichten. Das sollte man hier versuchen zu vermeiden, da es abschreckend wirken kann. Ein Coachie sollte wissen, dass – wenn es vielleicht doch nichts für ihn ist – er auch wieder abspringen kann, ohne dass es ihm nachhaltig schadet.

2. Interessierte Spielerinnen und Spieler aktiv ansprechen

Potentielle Coachies sollten von aktiven Trainer/Innen angesprochen werden. Diese wissen i.d.R. wie ihre Spieler/Innen ticken, welche Stärken und Schwächen sie haben und über eine Persönlichkeit verfügen, Kinder und Jugendliche verantwortungsvoll betreuen zu können und zu wollen.

Wartet nicht darauf, dass jemand auf Euch zukommt. Das passiert vielleicht auch einmal und dann ist das super, es ist aber nicht die Regel. Außerdem ist es absolut möglich, dass sie Eure Schützlinge durchaus geehrt fühlen, wenn Ihr in ihnen das Potential seht, in größere Fußstapfen zu treten.

3. Trainingseinheiten bzw. Trainer/Innen zuordnen

Sprecht mit Euren Coachies, welche Mannschaften für sie interessant sind und was sie sich zutrauen und was nicht. Wie bei Erwachsenen auch, liegen einem mal Mädchen oder mal Jungs mehr oder eine bestimmte Alterstufe, Größere oder Kleinere. Eure Coachies sollen sich wohl fühlen und motiviert ins Training kommen. Genau so wichtig ist, dass sie mit ihren “Chefs”, also den Haupttrainer/Innen klar kommen und sich gut mit ihnen verstehen.

Beide müssen sich vertrauen und auf einander verlassen können. Möglich ist natürlich auch, dass beispielweise einer Mannschaft zwei Coachies zugeordnet werden, die sich abwechseln oder zusammenarbeiten. Hier müsst Ihr einfach individuell schauen, was bei Euch am besten passt.

4. Finanzielle Rahmenbedingungen klären

Sollte es bei Euch üblich sein, dass es für Trainer/Innen eine Aufwandsentschädigung gibt, sollten natürlich auch Coachies eine kleine monetäre Anerkennung bekommen. Wichtig dabei ist, dass man von Anfang an vermittelt, dass der Trainerjob keiner ist, von dem man reich wird und es dabei auch nicht um Geld gehen sollte. Nichts desto weniger ist eine kleine finanzielle Anerkennung natürlich auch motivierend.

Macht die Findung des Betrages nicht irgendwo im Hinterzimmer, sondern möglichst transparent. Es sollte dazu im Idealfall einen Beschluss des Vorstands geben. Bei dieser Sitzung können durchaus auch die Coachies eingeladen werden und mitdiskutieren. Sie können durchaus gefragt werden, welcher Meinung sie sind, wie der Coachieeinsatz zu vergüten ist und man sollte ihre Meinung mit einfließen lassen. So hat man auch hier Mitsprache und Fairness umgesetzt.

5. Loslegen!

Jetzt seid ihr soweit und könnt anfangen. Besprecht mit Euren Coachies die Aufgaben, die es im Training zu verteilen gibt und macht zu Beginn eines jeden Trainings ein kurzes “Briefing”. Das muss nicht lange dauern. Besprecht die heutigen Trainingsziele. Wenn Ihr Gruppen aufteilt, besprecht kurz, wer sich um wen kümmert. Welche Übungen werden gemacht? Welche Korrekturen sind heute besonders wichtig.

 

Habt ein Auge auf Eure Coachies während dem Training. Am Ende solltet Ihr immer kurz besprechen, wie es gelaufen ist und welche Ziele sich man für die nächsten Trainings setzten sollte. Denkt auch immer an eine gemeinsame Begrüßung & Verabschiedung während Eurer Trainings!

6. Feedback geben & einfordern

In Abständen, die Ihr für richtig erachtet, solltet Ihr Euren Coachies ein Feedback geben. Sind die Korrekturen genug und richtig? Ist die Trainingsorganisation gut oder kann man etwas daran verbessern? Dabei sollten die Coachies nicht das Gefühl bekommen, zu viel negativ kritisiert zu werden, sondern in ihrer Trainertätigkeit etwas lernen und vermittelt bekommen.

Seid nicht sparsam mit Tipps & Tricks und lasst sie entscheiden, welche davon sie versuchen, anzuwenden. Anders herum fordert aber auch Feedbacks von Euren Coachies. Fühlen sie sich wohl? Sehen sie Erfolge in ihrer Tätigkeit? Wo gibt es vielleicht noch Probleme? Umso intensiver Euer Austausch ist, desto mehr haben alle gemeinsam im Team davon.

Kleinstadtheld-Lesetipp:
Aufgaben delegieren, Mitglieder einbinden: Wie man eine Saison mit vielen Teams planen kann!

7. Verbindlichkeiten regelmäßig auf Augenhöhe besprechen

Eine der größten Hürden für viele bei der Aufnahme von ehrenamtlichen Position ist die langfristige Bindung, die man damit eingeht. Für junge Menschen ist dies manchmal noch schwerer, ein Amt oder Posten über ein oder zwei Jahre zuzusagen, denn oft wissen sie selbst noch gar nicht richtig, was dann sein wird.

Versucht deswegen von Anfang an die Dauer der Tätigkeit zu begrenzen, so dass sie zeitlich überschaubar bleibt. Auf der anderen Seite müsst Ihr ja aber auch planen. Redet deswegen rechtzeitig mit Euren Coachies, ob sie ihren Einsatz verlängern möchten. Die Schulferien sind hierbei immer eine gute Grundlage, “Willst du nach den Ferien noch weiter machen?”

8. Qualifizieren

Wenn ihr merkt, dass es Euren Schützlingen Spaß macht, sprecht mit ihnen über Qualifizierungen. Es muss nicht immer direkt der C-Trainer sein, obwohl das natürlich ein Ziel sein kann, wenn bei Euch ein/e neue/e TrainerIn heran reift. Es gibt aber auch (in Hessen) die Möglichkeit, an einem Jugendtrainerschein-Wochenende teilzunehmen. Dies ist keine “offizielle” Lizenz, richtet sich aber genau auf jugendliche Spielerinnen und Spieler, die Kinder und Jugendliche betreuen.

Eine weitere Möglichkeit ist, sie auf Trainerfortbildungen mitzunehmen. Dort gibt es auch immer mal wieder Themen zur Jugend. Die eigenen TrainerInnen müssen ja auch an Fortbildungen teilnehmen und hier bietet es sich immer an, auch interessierte Nachwuchcoachies mitzunehmen, wenn einem der Schritt zu einer Trainerlizenz noch zu groß erscheint.

 


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