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Veröffentlicht am 17. Januar 2026
Zuletzt aktualisiert am 18. Januar 2026
Für wen & wofür geeignet: Alle, die Vögel im Garten oder am Balkon unterstützen wollen – als verständlicher, zeitloser Praxis-Guide zum Nachschlagen (auch für Familien), zur Vermeidung typischer Fehler und als schnelle Orientierung bei Futterwahl, Standort und Sauberkeit.
Wenn es kalt wird, wird Nahrung für viele Vögel deutlich schwerer zu finden. Frost, Schnee, vereiste Böden und kurze Tage sorgen dafür, dass die Suche mehr Energie kostet – und genau dann kann Winterfütterung sinnvoll sein. Nicht als „große Lösung“ für den Rückgang vieler Vogelarten, sondern als praktische Unterstützung in harten Phasen direkt am Haus.
Wichtig ist dabei vor allem eins: gut gemacht hilft, schlecht gemacht kann Probleme schaffen. Offene Futterhäuser, nasses Futter, Speisereste oder mangelnde Hygiene erhöhen das Risiko von Verschmutzung und können die Bedingungen für Krankheitserreger verbessern. Gleichzeitig ist es erstaunlich einfach, das zu vermeiden – wenn man ein paar Grundprinzipien kennt und umsetzt.
Dieser Artikel soll genau das leisten: Winterfütterung so erklären, dass du danach nicht nur „ungefähr“ weißt, was zu tun ist, sondern konkret entscheiden kannst. Wann ist Füttern sinnvoll? Welche Futtersorten passen zu welchen typischen Gartenvögeln? Welche Futterstelle ist alltagstauglich und hygienischer – und worauf solltest du beim Standort achten (Stichwort: trocken, übersichtlich, katzensicher)? Dazu kommt ein kompakter Teil für Einsteiger:innen, um die häufigsten Gäste in kurzer Zeit zu erkennen – über einfache Merkmale wie Farbe, Muster und Verhalten.
Der Text ist als Evergreen gedacht: Du kannst ihn jedes Jahr nutzen, ohne dass er an ein einzelnes Datum oder eine Aktion gebunden ist. Er enthält ein paar Infoboxen als Schnellzugriff, bleibt insgesamt aber bewusst im Fließtext, damit die Zusammenhänge verständlich bleiben. Und am Ende gibt’s einen A4-Spickzettel zum Download – praktisch für Balkon, Gartenhaus oder einfach als Erinnerung, wenn man im Januar plötzlich wieder denkt: „Was war nochmal sinnvoll – und was lieber nicht?“
Wann Winterfütterung sinnvoll ist – und wann eher nicht
Winterfütterung ist dann am sinnvollsten, wenn Vögel spürbar schlechter an natürliche Nahrung kommen. Das ist typischerweise der Fall, wenn der Boden gefroren ist, wenn längere Zeit Schnee liegt oder wenn über mehrere Tage eine stabile Kältephase herrscht. In solchen Situationen kostet Futtersuche deutlich mehr Energie: Insekten sind kaum erreichbar, Samen sind unter Eis oder Schnee, und selbst „Normalfutterplätze“ wie Hecken oder Wiesen liefern weniger. Genau hier kann eine gut gemachte Futterstelle helfen, weil sie den Tieren Energie spart und ihnen eine verlässliche Quelle bietet, ohne dass sie dafür ständig riskant oder weit fliegen müssen.
An milden Wintertagen ist Füttern dagegen eher optional. Wenn es tagsüber deutlich über Null liegt, der Boden offen ist und die Vögel sichtbar auch außerhalb der Futterstelle aktiv suchen, ist eine zusätzliche Fütterung kein Muss. Sie ist dann nicht automatisch „schlecht“, aber sie ist auch nicht zwingend nötig. Der Punkt ist: Winterfütterung ist kein Dauerpflichtprogramm, sondern eine Unterstützung für Zeiten, in denen es wirklich knapp wird.
Praktisch heißt das: Du musst nicht warten, bis alles tief verschneit ist – du kannst durchaus starten, wenn sich eine Kältephase ankündigt oder wenn du merkst, dass sich die Tiere auffällig häufig am Futterplatz einfinden. Gleichzeitig musst du auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn du nicht jeden milden Tag „durchfütterst“. Viele Menschen machen es so, dass sie bei starkem Wetterwechsel oder in Frostphasen regelmäßig anbieten und bei längeren milden Abschnitten reduzieren oder pausieren. Wichtig ist nur, dass Futter, wenn du es gibst, sauber und trocken bleibt und nicht zur „nassen Resteverwertung“ wird.
Ein Punkt, der oft diskutiert wird: „Darf ich überhaupt wieder aufhören, wenn ich angefangen habe?“ Du solltest nicht mitten in einer harten Kältephase plötzlich komplett stoppen, weil sich manche Vögel dann tatsächlich stärker auf die Futterstelle einstellen. Aber das bedeutet nicht, dass du ab dem ersten Meisenknödel bis März einen Vertrag unterschreibst. Sinnvoll ist ein pragmatischer Rhythmus: In Frost- und Schneetagen zuverlässig, bei milden Abschnitten weniger – und wenn du pausierst, dann sauber, ohne dass altes Futter liegen bleibt.
Was gehört ins Vogelmenü – und für wen?
Wenn du Winterfütterung einmal logisch aufbaust, wird das Ganze erstaunlich unkompliziert. Vögel kommen nicht „wegen einer bestimmten Marke“, sondern weil drei Dinge stimmen: Energie, Erreichbarkeit und Verträglichkeit. Im Winter zählt Energie besonders, weil jede Minute Futtersuche und jeder zusätzliche Flug mehr kostet. Gleichzeitig muss das Futter so angeboten werden, dass es trocken bleibt, nicht verdirbt und für die Arten passt, die in deinem Garten oder am Balkon überhaupt realistisch auftauchen. Und das sind – ganz pragmatisch – vor allem Körner- und Allesfresser plus ein paar klassische Weichfutterfresser.
Der häufigste Fehler ist, Winterfütterung als „eine Mischung für alle“ zu denken. In der Praxis funktioniert es besser, wenn du dir drei Kategorien merkst: Körner und Samen als Basis, Weichfutter als Ergänzung für bestimmte Arten, und Fettfutter als Energieturbo für kalte Phasen. Du musst nicht alles gleichzeitig anbieten. Aber du solltest wissen, was du da tust – damit es nicht bei „irgendwas hinlegen“ bleibt.
Körner und Samen: die Basis, die fast immer funktioniert
Körnerfutter ist der Klassiker, und es ist auch das Angebot, das im Garten am zuverlässigsten angenommen wird. Besonders gut funktionieren Sonnenblumenkerne, außerdem Hirse und andere feinere Sämereien. Das ist nicht „schick“, sondern schlicht effizient: Diese Nahrung liefert ordentlich Energie und lässt sich gut aus einem Futtersilo oder einem geschützten Spender anbieten. Gerade bei nassem Winterwetter ist das wichtig, weil Körner in offenen Schalen schnell feucht werden – und dann aus „Hilfsangebot“ ganz schnell „Problemfutter“ wird.
Wenn du Mischfutter kaufst, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Zusammensetzung. Sehr billige Mischungen bestehen oft zu einem großen Teil aus Füllkörnern, die am Ende unter dem Futterplatz landen. Dort werden sie feucht, schimmeln oder ziehen ungewollte Gäste an. Eine Mischung mit erkennbar hochwertigen Samen wird meist besser gefressen – und du merkst das ganz simpel daran, dass weniger liegen bleibt. Ein Futterplatz, unter dem sich tagelang Berge ansammeln, ist meistens kein Zeichen für „viel Betrieb“, sondern eher: zu viel nachgelegt oder die Mischung passt nicht gut.
Körner und Samen ziehen vor allem Finken und Spatzen an, außerdem viele Meisen. Kleiber und Spechte sind auch regelmäßig dabei, nehmen aber häufig zusätzlich Nüsse oder Fettangebote an. Wenn du als Einsteiger startest, ist Körnerfutter deshalb eine solide Basis: Du hast schnell Besucher, kannst gut beobachten und hast relativ wenig Risiko – vorausgesetzt, du hältst das Ganze trocken und sauber.
Weichfutter: für Amsel, Rotkehlchen & Co. (und warum das anders angeboten werden muss)
Amsel und Rotkehlchen sind typische Wintergäste im Garten – aber nicht unbedingt am klassischen Körnersilo. Diese Arten suchen häufig am Boden nach Insekten, Würmern, Beerenresten und allem, was nicht „harte Saat“ ist. Wenn du sie wirklich unterstützen willst, brauchst du ein Angebot, das sie anspricht: Haferflocken, Kleie, Rosinen oder kleine Obststücke (zum Beispiel Apfel). Auch getrocknete Wildbeeren können funktionieren, solange sie ungezuckert sind.
Der entscheidende Punkt ist hier nicht nur das „Was“, sondern das „Wie“. Weichfutter wird schneller nass, verdirbt schneller und ist damit hygienisch heikler. Deshalb sollte es möglichst geschützt und trocken angeboten werden – nicht unbedingt „steril“, aber so, dass es nicht im Regen liegt oder in feuchter Erde landet. Viele scheitern nicht am Futter, sondern daran, dass es nach zwei Tagen eine matschige Angelegenheit wird. Wenn du Weichfutter anbietest, dann lieber in kleineren Mengen, die zügig weg sind, und mit dem Anspruch: trocken halten, Reste entfernen, nicht tagelang liegen lassen.
Weichfutter ist außerdem oft das Angebot, das Katzen am interessantesten finden – weil die fressenden Vögel eher am Boden sind. Hier gilt ganz pragmatisch: kein perfektes Versteck für Anschleicher. Ein übersichtlicher Standort ist nicht unfreundlich, sondern sicherer. Und ideal ist ein Platz, von dem aus die Vögel schnell in Deckung kommen, ohne dass die Futterstelle selbst zur Jagdzone wird.
Fettfutter und Nüsse: der Energieturbo für echte Kälte
Wenn es richtig kalt ist, wird Fettfutter zum Vorteil, weil es extrem energiereich ist. Meisenknödel, Meisenringe oder Fettblöcke werden dann sehr gut angenommen – nicht nur von Meisen, sondern auch von Kleiber, Specht und manchmal sogar von Spatzen. Wichtig ist weniger das Produkt als der Halter: Plastiknetze wirken praktisch, sind aber problematisch, weil sich Tiere darin verfangen können. Metallhalter oder spezielle Fettblockhalter sind die deutlich bessere Lösung.
Ungesalzene Erdnüsse sind ebenfalls ein beliebtes Winterfutter. Am besten funktionieren sie in einem Drahtspender, damit nicht zu große Stücke auf einmal gelöst werden. Und auch hier gilt die Grundregel: trocken halten, ranziges Futter vermeiden, lieber moderat nachlegen statt „auf Vorrat“ draußen lagern.
No-Gos: gut gemeint ist hier oft leider schlecht gemacht
Ein paar Dinge solltest du konsequent weglassen, auch wenn sie sich im ersten Moment logisch anfühlen. Brot gehört nicht ans Vogelhaus. Es hat wenig sinnvollen Nährwert für Vögel, quillt auf, schimmelt schnell und wird zur unnötigen Belastung. Ebenso tabu sind Speisereste jeder Art – gewürzt, gesalzen, fettig, gekocht oder mit Zutaten, die Vögel nicht vertragen. Gesalzene Nüsse sind ebenfalls ein klares Nein. Und sobald Futter feucht, verschimmelt oder seltsam riecht, ist es raus. Winterfütterung ist keine Resteküche, sondern im besten Fall eine saubere, kontrollierte Unterstützung.
Wenn du dir unsicher bist, hilft eine einfache Frage: Würde dieses Futter draußen bei Kälte und Nässe nach zwei Tagen noch okay aussehen? Wenn die Antwort „eher nicht“ ist, ist es wahrscheinlich kein gutes Futter für eine offene Futterstelle. Klingt schlicht – trifft aber erstaunlich oft.
Futterstelle & Setup – warum „Wo und wie“ wichtiger ist als die perfekte Mischung
Wenn Winterfütterung schiefgeht, liegt es selten am Futter allein. Meist liegt es daran, wie es angeboten wird: zu offen, zu nass, zu groß, zu selten gereinigt oder an einem Standort, der für die Vögel eher Stress als Hilfe bedeutet. Die gute Nachricht: Du brauchst kein Hightech-Vogelhaus. Du brauchst ein Setup, das drei Dinge zuverlässig hinbekommt: Futter trocken halten, Verschmutzung reduzieren und den Fressplatz sicherer machen. Offene Futterhäuser sehen nett aus und wirken wie „klassische Winteridylle“. Das Problem ist nur: Offene Flächen werden schneller nass, und Vögel sitzen eher im Futter, trampeln darin herum oder hinterlassen Kot in der Futterzone. Das ist nicht böse Absicht, das ist einfach Biologie und Alltag.
Ein Futtersilo oder ein geschützter Futterspender ist im Winter oft die bessere Lösung, weil das Futter nicht so leicht durchnässt und weil die Entnahmestellen kleiner sind. Dadurch bleibt es länger trocken und sauber. Das bedeutet nicht, dass ein offenes Häuschen „verboten“ wäre — aber wenn du es nutzt, solltest du es so bauen/platzieren, dass es einen guten Witterungsschutz hat und du es wirklich regelmäßig sauber machen kannst. Wenn du nur eine Sache optimieren willst: Futter trocken halten. Nasses Futter ist im Winter der Anfang von fast allem, was man nicht will: Schimmel, Ranzigkeit, Klumpen, Vereisung.
Kleine Futterstellen schlagen die „Großkantine“
Viele machen im besten Willen das Gegenteil von dem, was sinnvoll ist: ein großer Futterplatz, riesige Mengen, möglichst „für alle“. In der Praxis ist es besser, kleiner zu denken – weil kleine Portionen schneller gefressen werden und nicht tagelang herumliegen, weil weniger Gedränge weniger Stress und Verschmutzung bedeutet und weil du viel besser steuern kannst, ob das Futter nass wird oder ob etwas übrig bleibt. Ein guter Richtwert ist deshalb: so nachlegen, dass innerhalb von ein bis zwei Tagen alles weg ist. Das fühlt sich am Anfang „zu wenig“ an, ist aber genau richtig, weil du damit sauber bleibst und flexibel reagieren kannst.
Beim Standort gibt’s einen typischen Irrtum: Viele stellen Futterplätze möglichst „versteckt“ hin, weil sie den Vögeln Schutz geben wollen. Schutz ist gut – aber ein Versteck ist oft schlecht, weil es Katzen und anderen Jägern genau das bietet, was sie brauchen.
Ein guter Standort ist eine Mischung aus:
- windgeschützt (damit das Futter nicht ständig nass/schneeverweht wird),
- übersichtlich (damit Vögel Gefahren früh sehen),
- mit Fluchtmöglichkeit (z. B. in die Nähe von Sträuchern/Bäumen – aber nicht direkt im dichten Gestrüpp, wo Katzen lauern).
Praktisch heißt das: nicht mitten auf der Wiese ohne jeden Schutz, aber auch nicht direkt im „Katzen-Korridor“ unter einer dichten Hecke, wo man von unten anspringen kann. Wenn du dir unsicher bist, denk wie ein Vogel: „Kann ich hier fressen und im Notfall in einer Sekunde weg?“ — und denk wie eine Katze: „Kann ich mich hier unbemerkt anschleichen?“
Tränke im Winter? Kann sinnvoll sein – aber nur sauber und frosttauglich
Wasser im Winter kann richtig hilfreich sein – aber nur, wenn du es konsequent sauber und frosttauglich betreibst. Gerade bei längeren Frostphasen finden Vögel oft kaum offene Wasserflächen, obwohl sie trinken müssen (und Wasser auch zum Putzen ihres Gefieders nutzen). Eine Tränke kann dann ein echter Gewinn sein – nur darf sie nicht zur „Dreckschüssel“ oder zur Eisplatte werden.
Das heißt ganz praktisch: täglich kontrollieren, bei Bedarf reinigen, frisches Wasser nachfüllen und bei Frost mehrmals am Tag die Eisschicht entfernen oder die Tränke kurz reinholen und neu befüllen. Wenn du das im Alltag nicht zuverlässig schaffst, ist „lieber keine Tränke“ tatsächlich die bessere Entscheidung. Denn eine dauerhaft verschmutzte Wasserstelle ist nicht nett gemeint, sondern ein Risiko – hygienisch ist Wasser mindestens so sensibel wie Futter, manchmal sogar noch mehr, weil alle direkt darin stehen, trinken und baden.
Warum Sauberkeit am Futterplatz so viel ausmacht
Der größte Hygienetreiber ist Feuchtigkeit. Nasses Futter verdirbt schneller, schimmelt leichter, verklumpt und wird dann entweder gar nicht mehr gefressen oder (noch schlechter) doch gefressen, obwohl es nicht mehr gut ist. Gleichzeitig bleibt feuchtes Material eher an Schnäbeln und an Kontaktstellen hängen. Das ist genau die Art von „Kleinkram“, die man nicht sieht, die aber entscheidet, ob ein Futterplatz sauber läuft oder über Wochen eine wacklige Baustelle bleibt.
Der zweite Treiber ist Gedränge. Je größer die „Großkantine“, desto mehr Tiere fressen gleichzeitig, desto mehr wird verschmutzt und desto öfter wechseln Vögel innerhalb kurzer Zeit. Auch deshalb sind kleinere Futterspender und kleine Mengen so sinnvoll: Weniger Gedränge, weniger Verschmutzung, mehr Kontrolle. Und der dritte Treiber sind Reste. Futterreste unter dem Spender, matschiges Weichfutter, alte Fettkrümel – das alles ist nicht nur unappetitlich, sondern genau das, was du vermeiden willst. Es reicht oft schon, die Menge etwas zu reduzieren und konsequent zu entfernen, was liegen bleibt.
Wie oft reinigen – und wie „gründlich“ muss das sein?
Als Faustregel: Lieber regelmäßig „kurz und praktikabel“ als selten „super gründlich“. Wenn du einen Futtersilo nutzt, reicht es oft, ihn in einem Rhythmus zu reinigen, der zu deinem Füttertempo passt (zum Beispiel einmal pro Woche, bei viel Betrieb auch häufiger). Nach starkem Regen, Tauwetter oder wenn du merkst, dass Futter innen feucht wurde: nicht diskutieren, sondern reinigen und neu starten.
Reinigen heißt in der Praxis: altes Futter raus, mechanisch sauber machen (Bürste), mit heißem Wasser ausspülen, gut trocknen lassen, dann erst wieder befüllen. Je trockener dein Setup insgesamt ist, desto weniger „Stress“ ist das Ganze. Bei offenen Schalen oder Bodenfütterung musst du häufiger ran, weil es schneller kippt. Und genau deshalb ist „Silo statt Schale“ so oft die vernünftigere Entscheidung.
Die Stop-Regel: Wann du bewusst pausieren solltest
Es gibt Situationen, da ist die richtige Maßnahme nicht „mehr machen“, sondern „kurz stoppen“. Wenn dir ein einzelner Vogel auffällt, der etwas schlapp wirkt, ist das noch kein Beweis für ein Problem. Aber wenn du wiederholt auffälliges Verhalten siehst (apathisch, stark aufgeplustert, lange am Boden sitzend) oder wenn du sogar tote Tiere im Umfeld der Futterstelle findest, ist die Stop-Regel sinnvoll.
Die Stop-Regel heißt: Fütterung für ein paar Tage pausieren, Futterstelle gründlich reinigen, Futterreste entfernen, und erst dann wieder starten – idealerweise mit einem hygienischeren Setup (z. B. Spender statt offener Fläche) und kleineren Mengen. Das Ziel ist, die „Sammelstelle“ kurzzeitig zu entschärfen. Es geht nicht um Panik, sondern um Risiko-Minimierung. Eine Pause ist oft die pragmatischste Lösung, weil sie den Kontakt- und Verschmutzungsdruck senkt.
Wenn du tote Vögel findest: nicht mit bloßen Händen anfassen. Handschuhe nutzen oder eine Tüte als Schutz, danach Hände gründlich waschen. Wenn du den Eindruck hast, es häuft sich oder es betrifft mehrere Arten, kann es sinnvoll sein, lokale Anlaufstellen zu informieren (zum Beispiel Naturschutzgruppen oder Auffangstationen in der Region). Du musst nicht Detektiv spielen – aber du solltest die Situation ernst nehmen und nicht „einfach weiterfüttern wie immer“.
Was Vögeln langfristig wirklich hilft (und warum das mehr ist als Füttern)
Winterfütterung kann in harten Phasen unterstützen. Aber wenn man ehrlich ist, ist sie eher „Erste Hilfe“ als „Therapie“. Langfristig entscheidet nicht der Meisenknödel, sondern der Lebensraum: Gibt es das ganze Jahr über Nahrung, Deckung, Brutplätze und Struktur? Oder ist der Garten im Sommer kurzgeschoren, im Herbst komplett aufgeräumt und im Winter dann plötzlich überrascht, dass Tiere Unterstützung brauchen?
Das soll kein Vorwurf sein — es ist eher eine Einladung, den Blick ein bisschen zu erweitern. Denn die meisten Dinge, die Vögeln wirklich helfen, sind erstaunlich unspektakulär. Es geht nicht darum, den Garten in ein Biotop-Lehrbuch zu verwandeln. Es geht um ein paar Stellschrauben, die du nebenbei drehen kannst, ohne dass dein Alltag davon überrollt wird.
Struktur schlägt Perfektion: Warum „ein bisschen wild“ oft besser ist als „immer ordentlich“
Viele Vögel profitieren davon, wenn nicht alles ständig „aufgeräumt“ ist. Samenstände von Stauden, ein paar trockene Halme, eine Ecke, die nicht sofort weggeschnitten wird — das sind im Grunde natürliche Futterstellen und Verstecke. Gerade im Spätwinter, wenn es noch kalt ist, aber die Natur noch nicht wieder richtig loslegt, können solche „Reste“ Gold wert sein. Wer jedes Blatt sofort entfernt und jede Ecke steril hält, nimmt ungewollt genau die Dinge weg, die vielen Arten helfen: Insekten, Larven, Samen, Deckung. Das heißt nicht, dass ein Garten verwahrlosen muss. Es heißt nur: Ein Garten darf wieder ein bisschen „leben“.
Wenn es einen Evergreen-Hebel gibt, der wirklich viel bringt, dann sind es heimische Sträucher und Hecken. Sie liefern nicht nur im Winter Beeren und Samen, sondern sie bieten auch Schutz, Brutplätze und Insektenleben. Und sie funktionieren Jahr für Jahr, ohne dass du jeden Januar neu anfangen musst. Ein Strauch, der Früchte trägt, ist im Grunde eine natürliche Futterstation — nur eben ohne Hygieneproblem und ohne Nachfüllen. Auch hier gilt: Du musst nicht alles umkrempeln. Aber wenn du ohnehin irgendwo etwas pflanzen möchtest oder eine Ecke neu gestaltest, lohnt es sich, in Richtung „heimisch und beerenreich“ zu denken. Das ist nachhaltiger als jedes noch so gute Futtermischungs-Upgrade.
Viele Menschen denken bei Vogelschutz sofort an Futter. Dabei ist Wasser in manchen Phasen mindestens genauso knapp — und Insekten sind für viele Arten über weite Teile des Jahres entscheidend, auch wenn du sie am Winterfutterplatz kaum siehst. Ein Garten, der Insektenraum bietet (Blühflächen, weniger „totgepflegt“, keine sterilen Steinwüsten), ist automatisch auch ein Garten, der Vögeln hilft. Und: Ruhe ist ebenfalls ein Faktor. Dauerstress durch Störungen, Dauerbewegung direkt am Brutplatz oder ständig freilaufende Katzen in jeder Ecke machen es Vögeln schwer, sich überhaupt niederzulassen.
Das ist keine Checkliste, die man „abarbeiten“ muss. Es ist eher ein Kompass: Wenn du hier und da kleine Verbesserungen machst, wirkt das über Jahre. Winterfütterung bleibt dann das, was sie sein sollte: eine sinnvolle Ergänzung für schwierige Tage — nicht die einzige Maßnahme, auf die alles ankommt.
Mehr Informationen
- NABU: Winterfütterung – Tipps zu Futter, Futterstellen und Grundlagen
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/helfen/vogelfuetterung/index.html - NABU: Hinweise zu Krankheiten an Futter- und Wasserstellen (Warum Hygiene wichtig ist)
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/helfen/29859.html - NABU: Vogelporträts / Artenwissen (praktisch zum Nachschlagen der Klassiker)
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/aktionen-und-projekte/stunde-der-wintervoegel/vogelportraets/index.html - NABU-App „Vogelwelt“ (zum Bestimmen, wenn du’s digital willst)
https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/natur-erleben/spiele-apps-klingeltoene/vogelwelt.html
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Zuletzt aktualisiert am 18. Januar 2026



