Veröffentlicht am 2. August 2026
Zuletzt aktualisiert am 2. August 2026
Für wen & wofür geeignet: Für alle, die sich vor der Bürgermeisterwahl ein möglichst fundiertes Bild von den sechs Kandidaten machen möchten. Der Beitrag ist weder Rangliste noch Wahlempfehlung, sondern verbindet eine thematische Vergleichsmatrix mit der Auswertung der Wahlarena und sechs kompakten Kandidatenprofilen. Wer die eigenen Positionen zusätzlich mit den Antworten der Kandidierenden vergleichen möchte, findet dazu den Bensheim-Kompass 2026.
Kandidaten bei der BA-Wahlarena im Musiktheater REX
© Michael K. Kärchner
Alle sechs Bewerber um das Bensheimer Bürgermeisteramt standen bei der Wahlarena des Bergsträßer Anzeigers erstmals gemeinsam auf einer Bühne. Wie unterscheiden sich ihre zuvor veröffentlichten Programme und Positionen – und was wurde im direkten Austausch konkreter? Eine sachliche Einordnung der Unterschiede und der weiterhin offenen Fragen.
Sechs Kandidaten, rund zweieinhalb Stunden Diskussion und ein voll besetztes Musiktheater Rex: Die Wahlarena zeigte noch einmal das große Interesse an der Bensheimer Bürgermeisterwahl. Ich war selbst vor Ort und erlebte eine lebendige, stellenweise kontroverse und aus meiner Sicht sehr gut moderierte Diskussion.
Zuvor hatte ich die öffentlich zugänglichen Wahlprogramme, Flyer und Internetauftritte der sechs Kandidaten ausgewertet. Umfang und Tiefe unterscheiden sich erheblich: Manche haben zahlreiche konkrete Vorhaben veröffentlicht, andere bislang vor allem allgemeine Schwerpunkte oder einzelne Positionen.
Die Wahlarena bot die Gelegenheit, dieses schriftliche Angebot mit dem direkten Auftritt aller sechs Bewerber abzugleichen. Welche Aussagen wurden bestätigt oder präzisiert? Wo traten politische Unterschiede hervor – und welche wesentlichen Fragen blieben auch nach Nachfragen offen?
Dieser Artikel ist weder Rangliste noch Wahlempfehlung. Er verbindet die schriftlich veröffentlichten Positionen mit den Aussagen der Wahlarena und soll eine zusätzliche Grundlage für die persönliche Wahlentscheidung bieten.
Hinweis zur Arbeitsweise: Bei der Strukturierung des umfangreichen Materials, der Erstellung der Matrix sowie der Auswertung des automatisch erstellten YouTube-Transkripts und der Chat-Kommentare habe ich KI-Unterstützung eingesetzt. Auswahl, Einordnung und redaktionelle Bearbeitung erfolgten durch mich. Aussagen wurden anhand der Originalquellen beziehungsweise des Videos geprüft; wörtliche Zitate verwende ich nur nach zusätzlicher Kontrolle der jeweiligen Stelle.
Was für diesen Vergleich ausgewertet wurde
Für die Vergleichsmatrix wurden ausschließlich die öffentlich zugänglichen Wahlprogramme, Flyer und Inhalte der eigenen Internetauftritte ausgewertet. Die Ausgangslage ist sehr unterschiedlich: Einige Kandidaten haben umfangreiche Programme und zahlreiche Einzelpositionen vorgelegt, andere bislang nur wenige grundsätzliche Aussagen veröffentlicht.
Eine nicht gefundene Position bedeutet deshalb nicht, dass ein Kandidat keine Meinung zu einem Thema besitzt. Sie zeigt lediglich, dass in dieser festgelegten Quellenbasis keine ausreichend klare Aussage vorlag. Umgekehrt sagt auch ein umfangreiches Programm noch nichts darüber aus, wie die Vorhaben bei knappen Mitteln gegeneinander gewichtet, finanziert und innerhalb der Zuständigkeiten eines Bürgermeisters umgesetzt werden können.
Die Ergebnisse sind in einer thematisch gegliederten Matrix zusammengeführt. Die Wahlarena bildet anschließend eine zweite Ebene: Dort wird betrachtet, welche schriftlichen Positionen bestätigt, ergänzt oder durch Nachfragen konkreter wurden und an welchen Stellen neue Unterschiede sichtbar geworden sind.
Vergleichsmatrix der sechs Kandidaten
Die Matrix bietet einen schnellen Überblick über die schriftlich veröffentlichten Positionen aller sechs Kandidaten. Sie ist weder Bewertung noch Punktesystem, sondern dokumentiert den Stand der ausgewerteten Wahlprogramme, Flyer und Internetauftritte. „Offen“ bedeutet lediglich, dass in dieser Quellenbasis keine ausreichend klare Aussage gefunden wurde.
Finanzen, Grundsteuer und Gewerbesteuer
Die angespannte Finanzlage der Stadt gehörte zu den zentralen Themen der Wahlarena. In einem Punkt lagen die Kandidaten zunächst nah beieinander: Bevor Steuern oder Gebühren weiter erhöht werden, sollen Ausgaben überprüft, vorhandene Mittel besser genutzt und Projekte stärker priorisiert werden. Deutlich weniger Einigkeit bestand bei der Frage, wie das konkret gelingen soll.
Stefan Juchems setzte vor allem auf eine effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen. Er sprach sich dafür aus, Fördermöglichkeiten konsequenter auszuschöpfen und bei der Haushaltsplanung vorsichtiger mit erwarteten Gewerbesteuereinnahmen umzugehen. Einnahmen sollten aus seiner Sicht möglichst erst dann verplant werden, wenn sie tatsächlich zur Verfügung stehen. Welche Ausgaben reduziert oder welche Vorhaben verschoben werden müssten, führte er an diesem Abend nicht näher aus.
Carmelo Torre stellte die wirtschaftliche Entwicklung in den Mittelpunkt. Bensheim müsse den bestehenden Unternehmen verlässliche Perspektiven bieten und dafür sorgen, dass sie sich am Standort weiterentwickeln können. Starke Unternehmen seien entscheidend für Gewerbesteuereinnahmen, Arbeitsplätze und die Finanzierung kommunaler Leistungen. Die Grundsteuer solle nach seiner Aussage mittelfristig wieder sinken. Einen Zielwert, einen Zeitpunkt oder die dafür notwendigen Einsparungen und zusätzlichen Einnahmen nannte er nicht.
Harry Hegenbarth verwies stärker auf Einsparmöglichkeiten im täglichen Handeln der Stadt. Er stellte infrage, ob für jede Entscheidung externe Konzepte, Wettbewerbe oder Gutachten notwendig seien, wenn in den Ortsbeiräten, Vereinen und unter den örtlichen Fachleuten bereits viel Wissen vorhanden sei. Daneben nannte er Fördermittel, Partnerschaften und viele kleinere Einsparungen, die sich in der Summe bemerkbar machen könnten. Zugleich erklärte er, eine weitere Erhöhung der Grundsteuer verhindern zu wollen. Wie groß der finanzielle Beitrag dieser Ansätze sein kann und welche seiner zahlreichen Vorhaben bei knappen Mitteln warten müssten, blieb offen.
Matthias Penteker bekräftigte seine Forderung, die Grundsteuer B wieder unter den derzeitigen Hebesatz zu senken. Er vertrat außerdem die Position, dass sich die Stadt bei ihren Ausgaben stärker beschränken müsse und nicht dauerhaft mehr ausgeben könne, als sie einnimmt. Konkrete Haushaltspositionen, Leistungen oder Investitionen, bei denen er kürzen würde, benannte er auch in der Wahlarena nicht.
Justin Arnold und Kevin Bösel beteiligten sich an diesem Themenblock weniger ausführlich. Beide betonten grundsätzlich, dass Prioritäten gesetzt und Ausgaben verantwortungsvoll behandelt werden müssten. Ein eigenes, beziffertes Konzept zur Stabilisierung des Haushalts oder zur künftigen Höhe der Grundsteuer entwickelten sie in der Diskussion nicht.
Beim Umgang mit Gewerbeflächen wurden die Unterschiede deutlicher. Torre sprach sich dafür aus, langfristig Entwicklungsmöglichkeiten für bestehende Unternehmen vorzuhalten und dabei wirtschaftliche sowie ökologische Anforderungen gemeinsam zu berücksichtigen. Juchems stellte dagegen die Nutzung vorhandener Gewerbeflächen und Industriebrachen in den Vordergrund und lehnte eine vorsorgliche weitere Versiegelung ab. Hegenbarth sprach sich ebenfalls grundsätzlich gegen zusätzlichen Flächenverbrauch aus, wollte bei einem konkreten Erweiterungsbedarf eines bestehenden Unternehmens aber nach einer möglichst flächenschonenden Lösung suchen. Arnold priorisierte ebenfalls den Bestand und stellte die Frage nach dem ökologischen Preis zusätzlicher Flächen. Penteker bekräftigte seine Ablehnung weiterer Gewerbegebiete auf bislang unbebauten Flächen.
Damit wurde in der Wahlarena zwar eine politische Richtungsentscheidung sichtbar: Soll Bensheim vorsorglich weitere Entwicklungsmöglichkeiten schaffen oder zunächst konsequent mit den bereits bebauten Flächen arbeiten? Die eigentliche Haushaltsfrage blieb jedoch bei allen sechs Bewerbern nur teilweise beantwortet.
Keiner der Kandidaten legte an diesem Abend eine vollständige Rechnung vor, die Einsparungen, erwartete Einnahmen, Investitionen und dauerhafte Folgekosten miteinander verbindet. Ebenso blieb offen, welche freiwilligen Leistungen geschützt werden sollen, welche Projekte warten müssten und welche konkreten Maßnahmen eine weitere Erhöhung der Grundsteuer dauerhaft verhindern könnten. Diese Abwägung zwischen Pflichtaufgaben, freiwilligen Leistungen und Investitionen dürfte für den kommenden Bürgermeister zu den schwierigsten Aufgaben gehören.
Innenstadt und Neumarkt-Center
Die Innenstadt gehörte zu den umfangreichsten Themen der Wahlarena. Nach Angaben der Moderation waren dazu besonders viele Fragen eingereicht worden. In der Diagnose lagen die Kandidaten relativ nah beieinander: Bensheim besitzt viele Stärken, schöpft seine Möglichkeiten aber nicht vollständig aus. Unterschiede zeigten sich vor allem bei den Prioritäten und bei der Frage, wie aktiv die Stadt selbst eingreifen sollte.
Kevin Bösel erklärte, die Innenstadt sei nicht tot, müsse aber insbesondere Familien und jüngeren Menschen mehr bieten. Er vermisse Geschäfte und Angebote, die nicht nur zu einem kurzen Einkauf, sondern zu einem längeren Aufenthalt einladen. Für den Beauner Platz nannte er mehr Bäume, Sonnenschutz und Angebote für Kinder. Beim Neumarkt-Center hielt er eine Wiederbelebung und die Nutzung der vorhandenen Parkmöglichkeiten für wichtig, räumte aber ein, dass ihm mehrere Hintergründe neu waren. Ein konkretes Entwicklungsmodell legte er nicht vor.
Justin Arnold stellte ebenfalls Familien und Kinder in den Mittelpunkt. Spiel-, Lern- und Erlebnisangebote sollten Menschen länger in der Innenstadt halten; vorhandene Spielbereiche müssten attraktiver werden. Für das Neumarkt-Center brachte er eine offene Passage und eine unmittelbar belebende Nutzung ins Gespräch. Ein Rathaus wäre dort nicht seine erste Wahl. Damit wurden seine bisherigen Schwerpunkte anschaulicher, Finanzierung, Eigentumsfragen und Umsetzung blieben jedoch weitgehend offen.
Carmelo Torre widersprach dem Bild einer „toten“ Innenstadt und verwies auf erfolgreiche Veranstaltungen. Der Bürgermeister müsse Stadtmarketing, Eigentümer, Handel, Gastronomie, Vereine und weitere Institutionen zusammenbringen. Beim Neumarkt-Center hob er das laufende Insolvenzverfahren hervor: Die Stadt müsse früh mit Insolvenzverwalter und möglichen Interessenten sprechen und einen politischen Rahmen für die weitere Entwicklung schaffen. Als denkbare Nutzungen nannte er Wohnungen, einen Lebensmittelmarkt und ein Rathaus.
Seine Position wurde damit konkreter und enthielt eine klare zeitliche Priorität: Torre versteht das laufende Insolvenzverfahren als aktuelles Handlungsfenster, in dem die Stadt frühzeitig den Kontakt zum Insolvenzverwalter und zu möglichen Interessenten suchen und Einfluss auf den weiteren Rahmen nehmen sollte. Ein Bürgermeister kann Gespräche führen, Planungsrecht vorbereiten und Mehrheiten organisieren, bei einem privaten Grundstück die spätere Nutzung jedoch nicht allein festlegen. Offen blieb deshalb nicht, ob die Stadt jetzt aktiv werden soll, sondern welche der genannten Nutzungen Torre letztlich bevorzugen würde und wie groß ein möglicher finanzieller Beitrag der Stadt sein dürfte.
Stefan Juchems wollte sich beim Neumarkt-Center zunächst nicht auf eine bestimmte Nutzung festlegen. Erst müssten Eigentumsverhältnisse, Kosten und tatsächliche Handlungsmöglichkeiten geklärt werden. Auf dieser Grundlage solle ein Projekt entwickelt werden, das einen erkennbaren Nutzen für Bensheim besitzt. Für die Innenstadt insgesamt betonte er eine bessere Abstimmung zwischen Veranstaltungen, Handel und Gastronomie, damit Aktionen nicht einzelne Geschäfte behindern.
Das entsprach seinem verfahrens- und abwägungsorientierten Profil. Neu war, dass er diese Arbeitsweise an einem konkreten Bensheimer Konflikt erläuterte. Seine Zurückhaltung schützt vor vorschnellen Versprechen, lässt aber weiterhin offen, welche Nutzung er persönlich bevorzugt und nach welchen Kriterien er zwischen unterschiedlichen Konzepten entscheiden würde.
Harry Hegenbarth richtete den Blick zunächst stärker auf viele kleinere Entscheidungen im Alltag der Innenstadt. Er sprach über die Terminierung des Weihnachtsmarktes, die Abstimmung mit Handel und Gastronomie, mehr echtes Grün, bessere Zugänge zur Lauter und eine funktionalere digitale Vermittlung der Angebote. Seine Grundidee lautet, vorhandenes örtliches Wissen stärker zu nutzen und auch Maßnahmen umzusetzen, die nicht zwangsläufig hohe Investitionen erfordern.
Beim Neumarkt-Center verwies er auf mögliche Sicherheits- und Brandschutzprobleme, die Situation der Tiefgarage und das Interesse örtlicher Akteure. Über Gespräche und die konsequentere Prüfung bestehender Verpflichtungen wolle er mehr Bewegung in das Verfahren bringen. Gegenüber seinem bereits ausführlichen Innenstadtprogramm lieferte die Wahlarena damit vor allem weitere Beispiele und eine deutlichere Beschreibung seines praktischen Vorgehens.
Matthias Penteker beschrieb die heutige Situation als Folge einer langjährigen Verlagerung von Nahversorgung, Ärzten, Parkmöglichkeiten und weiteren Funktionen aus dem Zentrum. Innenstadtbelebung müsse deshalb Teil einer umfassenderen Stadtentwicklung sein. Für das Neumarkt-Center nannte er eine Mischung aus Wohnungen, Einzelhandel und Parkmöglichkeiten und setzte vorrangig auf einen privaten Investor. Die Verwaltung müsse dafür klare und zügige Rahmenbedingungen schaffen.
Damit ergänzte er seine bisher vor allem auf Haushaltsdisziplin, Flächenschutz und Investorenorientierung konzentrierte Programmatik um eine konkretere Vorstellung. Offen blieb, welche Anforderungen die Stadt einem Investor verbindlich vorgeben sollte und wie verhindert werden kann, dass wirtschaftliche Interessen und städtische Entwicklungsziele auseinanderfallen.
Die Wahlarena machte drei unterschiedliche Herangehensweisen sichtbar: früh mögliche Nutzungen benennen, zunächst Fakten und rechtliche Möglichkeiten klären oder unabhängig vom Großprojekt kurzfristig kleinere Verbesserungen umsetzen. Bei allen Vorschlägen blieben Finanzierung, Folgekosten und der tatsächliche Einfluss der Stadt auf private Eigentümer zentrale Unsicherheiten.
Gerade beim Neumarkt-Center stellt sich deshalb eine frühe Richtungsfrage: Soll die Stadt eigene Nutzungsvorstellungen aktiv vorantreiben, vor allem ein privates Konzept ermöglichen oder zunächst die rechtlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen abwarten? Diese Entscheidung wird den künftigen Bürgermeister sehr wahrscheinlich früh beschäftigen.
Sicherheit und Videoüberwachung
Beim Thema Sicherheit zeigte sich, dass die Positionen nicht einfach zwischen Zustimmung und Ablehnung von Kameras verlaufen. Unterschiede bestanden auch bei möglichen Orten, dem Zweck einer Überwachung und der Frage, welche anderen Maßnahmen Vorrang haben sollten.
Ausgangspunkt war die Frage aus dem BA-Wahlcheck, ob Beauner Platz und Marktplatz videoüberwacht werden sollten. Matthias Penteker hatte als einziger Kandidat ohne Einschränkung zugestimmt. Auf der Bühne differenzierte er: Kameras könnten je nach Ort und Tageszeit, besonders nach Einbruch der Dunkelheit, sinnvoll sein. Zugleich räumte er ein, dass sie lediglich auf Folgen reagierten und keine Ursachen beseitigten. Mit der Aussage, ein unbescholtener Bürger habe nichts zu verbergen, vertrat er ein anderes Verhältnis von Sicherheit und persönlicher Freiheit als mehrere Mitbewerber.
Stefan Juchems sprach sich gegen Kameras an den genannten Plätzen aus. Sie könnten ein Sicherheitsgefühl vermitteln, verhinderten Straftaten aber nicht automatisch. Zudem müsse geklärt sein, wer Bilder auswertet und wie Polizei oder Ordnungsdienst auf beobachtete Vorfälle reagieren können. Für Beauner Platz und Marktplatz sah er derzeit keine ausreichende Notwendigkeit.
Justin Arnold lehnte eine flächendeckende Überwachung ebenfalls ab, hielt Kameras an einzelnen besonders problematischen Orten wie hinter dem Bahnhof aber grundsätzlich für denkbar. Er warnte davor, alle Menschen unter Generalverdacht zu stellen und eine technische Infrastruktur zu schaffen, die später mit automatisierten oder KI-gestützten Auswertungen verbunden werden könnte. Als Alternativen nannte er unter anderem Beleuchtung und sichere Wege.
Harry Hegenbarth wollte Videoüberwachung dort prüfen, wo sie rechtlich zulässig und durch die tatsächliche Lage begründet ist. Für große Teile der Innenstadt sah er diese Voraussetzungen zunächst nicht. Er setzte stärker auf sichtbare Präsenz, Verkehrssicherheit und den Schutz von Veranstaltungen. Konkret sprach er über gefährliche Situationen durch schnell fahrende E-Scooter und über feste Zufahrtssperren, die mobile Schutzmaßnahmen teilweise ersetzen könnten.
Carmelo Torre vertrat ebenfalls eine Einzelfallprüfung. Voraussetzung seien ein konkreter Anlass und die rechtlichen Bedingungen. Als möglichen Nutzen nannte er vor allem die spätere Aufklärung von Vorfällen; eine pauschale oder in private Bereiche hineinreichende Überwachung lehnte er ab. Kevin Bösel wurde in diesem Themenblock nicht ausführlich einbezogen, sodass keine über seine allgemeinen Aussagen hinausgehende Position erkennbar wurde.
Die Debatte zeigte damit, dass die Entscheidung mehr umfasst als „Kameras: ja oder nein“. Vor jeder Maßnahme müssten Problem, Ziel, rechtliche Grundlage und weniger eingriffsintensive Alternativen geklärt werden. Dazu gehören sichtbare Präsenz, Beleuchtung, sichere Verkehrswege, soziale Angebote und eine Gestaltung öffentlicher Räume, die auch abends genutzt werden.
Offen blieb, welche Orte die Kandidaten auf Grundlage belastbarer Daten tatsächlich für problematisch halten, wie zusätzliches Personal finanziert werden könnte und woran später gemessen würde, ob eine Maßnahme die Sicherheit verbessert hat. Die Wahlarena machte die Grundhaltungen deutlicher, lieferte aber noch kein umfassendes Sicherheitskonzept für Bensheim.
Jugend, Vereine, Sport und gesellschaftliche Beteiligung
Bei Jugend, Vereinen und Sport wurden die unterschiedlichen Erfahrungen und Prioritäten der Kandidaten besonders sichtbar. Einigkeit bestand über die Bedeutung des Ehrenamts und guter Angebote für junge Menschen. Schwieriger wurde es bei neuen Einrichtungen, zusätzlichen Ausgaben und der Frage, was bei knappen Mitteln Vorrang hat.
Ausgangspunkt war eine mögliche bundesligataugliche Spielstätte für die Flames. Die Diskussion weitete sich schnell auf fehlende Hallenzeiten für Schulen, Breiten- und Vereinssport sowie weitere leistungsorientierte Mannschaften aus.
Kevin Bösel würdigte die Flames als sportliches Aushängeschild, sah angesichts der Haushaltslage aber zunächst wichtigere Aufgaben. Die Anforderungen an eine neue Halle könne er nicht abschließend beurteilen. Damit wurde seine Priorität deutlich; ein eigenes Konzept für Sportstätten oder die Zusammenarbeit mit Vereinen entwickelte er nicht.
Matthias Penteker lehnte weitere finanzielle Verpflichtungen ab, solange Grundsteuer und Haushaltsdefizit so hoch seien. Auch bei Jugend und freiwilligen Leistungen setzte er einen Schwerpunkt zugunsten älterer und kranker Menschen. Jugendliche hätten aus seiner Sicht viele Möglichkeiten, sich ohne zusätzliche städtische Zuwendungen zu entwickeln. Damit wurde eine klare Priorität sichtbar. Welche bestehenden Angebote er erhalten, kürzen oder aufgeben würde, blieb jedoch offen.
Stefan Juchems betonte die gesellschaftliche Bedeutung von Breiten- und Spitzensport, fragte aber, welchen Anteil der Kosten die Allgemeinheit tragen könne. Eine neue Halle schloss er nicht aus, bremste aber bei einer Finanzierung aus dem Stadthaushalt. Zugleich weitete er den Blick über Sportvereine hinaus: Ehrenamt finde ebenso in kulturellen, sozialen und demokratischen Strukturen statt. Als Beispiele nannte er geeignete Räume für politische Arbeit und eine bessere Ausstattung der Ortsbeiräte.
Harry Hegenbarth begründete eine zusätzliche Multifunktionshalle mit seinen Erfahrungen als Jugendtrainer und Mitinitiator des Sporthallengipfels. Es gehe nicht allein um die Flames, sondern um fehlende Kapazitäten für Schulen, Breiten- und Spitzensport. Die Finanzierung solle gemeinsam mit Kreis, Land, Vereinen und weiteren Partnern entwickelt werden. Bau-, Betriebs- und dauerhafter städtischer Eigenanteil blieben dennoch offen.
Sein stärkster persönlicher Akzent lag erneut bei der Jugendpolitik. Hegenbarth berichtete, junge Initiativen würden heute aus seiner Sicht häufiger ausgebremst und nicht ausreichend begleitet. Als Gegenbild beschrieb er frühere Erfahrungen, bei denen Verantwortliche junge Initiatoren unterstützt und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet hätten.
Diese Aussagen knüpften eng an sein Programm an. Dort gehören Jugendparlament, Gespräche mit Schülervertretungen, offene Sportflächen, Medienangebote und ein stärkerer Ansprechpartner im Rathaus zu den ausführlichsten Themen. Die Wahlarena bestätigte, dass Jugend, Kultur und Vereinsleben ein biografisch stark unterlegter Schwerpunkt seiner Kandidatur sind. Offen blieb, welche zusätzlichen Stellen, Räume und Angebote zuerst umgesetzt und dauerhaft finanziert werden können.
Penteker fragte Hegenbarth außerdem, wie freiwillig Engagierte bei gemeinsam umgesetzten Projekten versichert seien. Hegenbarth verwies auf seine langjährige Zusammenarbeit mit Vereinen und auf Formate wie „Summer in the City“, bei denen Haftung und Versicherung über bestehende Strukturen und in Abstimmung mit den Beteiligten geregelt würden. Die Nachfrage führte damit weniger zu einem grundsätzlichen Widerspruch als zu einem organisatorischen Detail, das Stadt, Vereine und weitere Mitwirkende bei der Umsetzung verlässlich klären müssen.
Carmelo Torre unterstützte eine Multifunktionshalle grundsätzlich, sofern mehrere Partner ein tragfähiges Modell entwickeln. Als möglichen städtischen Beitrag nannte er ein Grundstück; Kreis, Vereine, Flames und weitere Beteiligte müssten sich finanziell und organisatorisch einbringen. Damit beschrieb er konkreter als mehrere Mitbewerber, wie die städtische Beteiligung begrenzt werden könnte. Offen blieben der Wert eines Grundstücks, weitere Verpflichtungen und die Finanzierung des späteren Betriebs.
Bei Jugend und Vereinen verwies Torre stärker auf die bereits vorhandene Förderung. Er widersprach dem Eindruck, in den vergangenen Jahren sei nichts geschehen, und betonte, dass Vereinsförderung auch Kindern und Jugendlichen zugutekomme. Zugleich räumte er Verbesserungsbedarf beim direkten Austausch mit Schulen und Schülervertretungen ein und kündigte regelmäßige Gespräche an. Im Unterschied zu Hegenbarth stellte er damit weniger einen strukturellen Rückgang als die bessere Koordination und Weiterentwicklung bestehender Angebote in den Mittelpunkt. Der Gegensatz lag also nicht in der grundsätzlichen Bedeutung von Jugend und Vereinen, sondern in der Bewertung des bisherigen Zustands.
Justin Arnold betonte vor allem Kinder und Familien. Er sprach über Spiel-, Lern- und Erlebnisräume und verwies auf seine eigene Perspektive als Vater. Seine Anliegen wurden dadurch anschaulicher als auf seiner Website. Ein konkretes Modell für Jugendbeteiligung, Vereinsförderung oder Sportstättenplanung entstand daraus jedoch nicht.
Eine Publikumsfrage lenkte den Blick schließlich auf den entscheidenden Unterschied zwischen Anhörung und echter Mitgestaltung. Gefragt wurde nicht nur nach Angeboten für Kinder und Jugendliche, sondern danach, welchen Anteil sie selbst an den politischen Zukunftsvorstellungen für Bensheim haben sollen. Wegen der fortgeschrittenen Zeit antworteten darauf nicht alle Kandidaten ausführlich. Gerade deshalb blieb offen, ob es bei Gesprächen mit Schulen und Jugendgruppen bleiben soll – oder ob junge Menschen verbindliche Beteiligungsrechte, eigene Budgets und tatsächliche Entscheidungsspielräume erhalten sollen.
Zuhören ist der Anfang. Echte Beteiligung beginnt dort, wo junge Menschen tatsächlich mitentscheiden können.
Mit dieser Frage beschäftige ich mich auch seit vielen Jahren in der Vereins- und Jugendarbeit. In meinem Beitrag „Junge Menschen für den Verein gewinnen“ beschreibe ich Beteiligung als Entwicklung vom bloßen Mitmachen über Mitbestimmung und Mitgestaltung bis hin zu echter Mitverantwortung. Auf die Kommunalpolitik übertragen bedeutet das: Schulbesuche, Jugendgespräche und Foren sind wichtige erste Schritte. Entscheidend ist aber, ob die dort geäußerten Vorstellungen anschließend auch Einfluss auf Projekte, Haushaltsmittel und politische Entscheidungen haben.
Insgesamt zeigten sich unterschiedliche Schwerpunkte: Hegenbarth argumentierte aus praktischer Jugend- und Vereinsarbeit, Torre aus bestehenden Strukturen und Partnerschaften, Juchems aus der Perspektive guter Rahmenbedingungen für das gesamte Ehrenamt. Arnold und Bösel brachten vor allem Familien- und Alltagsperspektiven ein, Penteker den deutlichsten Vorbehalt gegenüber zusätzlichen freiwilligen Ausgaben.
Offen bleibt die praktische Priorisierung: Welche Angebote sind unverzichtbar, wo bestehen echte Lücken, welche Investitionen können warten – und wie lassen sich neue Hallen, Räume oder Beteiligungsformate so finanzieren, dass sie nicht nach wenigen Jahren an Personal-, Betriebs- oder Unterhaltungskosten scheitern?
Welche Rolle soll der Bürgermeister übernehmen?
Die Wahlarena machte auch unterschiedliche Vorstellungen davon sichtbar, wie ein Bürgermeister führen, Entscheidungen vorbereiten und mit der Stadtverordnetenversammlung zusammenarbeiten sollte. Der rechtliche Rahmen ist für alle gleich: Der Bürgermeister leitet die Verwaltung, bereitet gemeinsam mit dem Magistrat Entscheidungen vor, setzt Beschlüsse um und vertritt die Stadt nach außen. Größere Bauvorhaben, der Haushalt, Satzungen und viele politische Weichenstellungen benötigen jedoch Mehrheiten in den zuständigen Gremien.
Stefan Juchems betonte diesen institutionellen Rahmen besonders stark. Auf die Frage, welche Wahlversprechen ein Bürgermeister überhaupt garantieren könne, verwies er darauf, dass Vorhaben politisch beraten und beschlossen werden müssten. Aufgabe des Bürgermeisters sei es, Ideen vorzubereiten, mit Betroffenen und Gremien abzustimmen und formal korrekt zur Entscheidung zu bringen.
Das entsprach seinem Profil aus klaren Zuständigkeiten, transparenten Verfahren und verlässlicher Umsetzung demokratischer Beschlüsse. Offen blieb, wie offensiv er selbst für eigene Vorhaben Mehrheiten organisieren und welche konkreten Projekte er zu Beginn einer Amtszeit in die Gremien einbringen würde.
Carmelo Torre setzte einen anderen Akzent. Der Bürgermeister sei der Kopf der Stadt und dürfe sich nicht darauf beschränken, Vorlagen einzureichen und anschließend auf Entscheidungen zu warten. Er müsse Projekte gemeinsam mit Gremien, Vereinen und weiteren Akteuren entwickeln, Unterstützung organisieren und Prozesse steuern.
Im Verlauf näherten sich beide Positionen wieder an, weil auch Juchems Gespräche und Abstimmungen vor einer formalen Entscheidung für selbstverständlich hielt. Der Unterschied lag damit weniger im rechtlichen Verständnis als in der Betonung: Juchems hob Verfahren und Zuständigkeiten hervor, Torre stärker die politische Führungs- und Steuerungsfunktion.
Harry Hegenbarth wurde gefragt, wie er als parteiloser Bürgermeister Mehrheiten gewinnen wolle. Er verwies auf seine langjährige Zusammenarbeit mit Menschen aus verschiedenen Parteien und auf Projekte, für die er bereits ohne politisches Amt parteiübergreifende, teilweise einstimmige Unterstützung erreicht habe.
Sein Ansatz beruht auf persönlichem Gespräch, Vernetzung und Überzeugungsarbeit über Parteigrenzen hinweg. Das entspricht seinem Profil als Projektentwickler und Vermittler zwischen Vereinen, Wirtschaft, Verwaltung und Stadtgesellschaft. Offen bleibt, wie er bei Konflikten handelt, die sich nicht durch Vermittlung lösen lassen und eine klare, womöglich unpopuläre Priorität verlangen.
Justin Arnold und Kevin Bösel sahen ihre Parteilosigkeit als Möglichkeit, ohne Fraktionsbindung auf alle politischen Gruppen zuzugehen. Arnold betonte Transparenz gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, besonders wenn ein Vorhaben keine Mehrheit erhält. Bösel setzte auf Hartnäckigkeit und die verständliche Vermittlung eines Projekts. Weniger deutlich wurde, welche Erfahrungen beide mit komplexen politischen Verfahren, Haushaltsverhandlungen und dauerhaft widerstreitenden Interessen besitzen.
Matthias Penteker hob den Einfluss des Bürgermeisters auf Haushaltsentwurf und Prioritäten hervor, ohne ihn als alleinigen Entscheider darzustellen. Magistrat, Fraktionen und Stadtverordnetenversammlung könnten eigene Vorschläge einbringen oder Veränderungen beschließen. Auf der Bühne betonte er den Gestaltungsspielraum des Bürgermeisters damit stärker als in seinen veröffentlichten Texten. Wie er Mehrheiten für Grundsteuersenkung, Einsparungen und seine Vorstellungen zur Stadtentwicklung gewinnen will, führte er nicht aus.
Unterschiede zeigten sich auch bei der politischen und gesellschaftlichen Verankerung. Fünf Kandidaten erklärten, sich auch nach einer möglichen Niederlage weiter für Bensheim engagieren zu wollen. Arnold schloss dabei ein künftiges Engagement in einer Partei oder als Stadtverordneter aus und beschrieb das Bürgermeisteramt als besondere, unmittelbar die Bürger vertretende Position.
Hegenbarth verwies auf sein langjähriges parteiunabhängiges Engagement. Juchems, Torre und Penteker sind bereits parteipolitisch oder kommunalpolitisch aktiv. Bösel verstand seine Kandidatur vor allem als persönlichen Schritt, Verantwortung zu übernehmen und auch seinen Kindern zu zeigen, dass sich Mut und Engagement lohnen.
Erkennbar wurden damit drei Schwerpunkte: ein verwaltungs- und verfahrensorientiertes Modell, bei dem klare Zuständigkeiten und saubere Abläufe im Vordergrund stehen; ein politisch steuerndes Modell, das früh eigene Ziele formuliert und gezielt Mehrheiten organisiert; sowie ein projekt- und netzwerkorientiertes Modell, das stark auf persönliche Beziehungen, praktische Erfahrung und die Mobilisierung der Stadtgesellschaft setzt. In der Praxis braucht ein erfolgreicher Bürgermeister Elemente aus allen drei Bereichen. Er muss die rechtlichen Grenzen seines Amtes kennen, eine komplexe Verwaltung führen, eigene Ziele setzen, Mehrheiten organisieren und Konflikte entscheiden.
Die Wahlarena machte die unterschiedlichen Selbstbilder klarer. Sie zeigte zugleich, dass Bürgernähe, Transparenz und Zusammenarbeit allein noch kein Führungsmodell ergeben. Entscheidend wird sein, wie die Kandidaten Prioritäten festlegen, Konflikte austragen und Verantwortung übernehmen, wenn nicht alle Interessen miteinander vereinbar sind. Bei mehreren Bewerbern bleibt offen, wie sie ihren Führungsanspruch in konkrete Prioritäten, Verwaltungsstrukturen und überprüfbare Ziele übersetzen würden.
Alle sechs Kandidaten im direkten Austausch über Innenstadt, Finanzen, Gewerbeflächen, Sicherheit, Jugend, Vereine und die künftige Führung der Stadt.
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Quelle und Video: Bergsträßer Anzeiger / YouTube
Sechs Kandidaten – sechs erkennbare Profile
Nach der Auswertung der veröffentlichten Inhalte und der Wahlarena lassen sich bei allen sechs Kandidaten eigene Schwerpunkte und unterschiedliche Vorstellungen von der Amtsführung erkennen. Die folgenden Kurzprofile sind keine Rangfolge und kein abschließendes Urteil. Sie fassen zusammen, was bislang besonders deutlich geworden ist – und welche entscheidenden Fragen weiterhin offenbleiben.
Harry Hegenbarth
Harry Hegenbarth hat das mit Abstand umfangreichste und am stärksten auf konkrete Bensheimer Orte, Projekte und Akteure bezogene Programm vorgelegt. Seine Schwerpunkte liegen vor allem bei Jugend, Kultur, Vereinen, Innenstadtentwicklung und gesellschaftlichem Engagement. Viele seiner Vorschläge entstehen erkennbar aus eigener praktischer Erfahrung und langjähriger Zusammenarbeit mit Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Stadt.
Auch in der Wahlarena argumentierte er häufig anhand konkreter Beispiele. Dabei vermittelte er Energie, Ortskenntnis und den Anspruch, vorhandene Netzwerke und örtliches Fachwissen stärker zu nutzen. Sein Ansatz ist weniger verwaltungs- als projektorientiert: Menschen zusammenbringen, Möglichkeiten suchen und Dinge in Bewegung setzen.
Die Stärke dieses Profils ist zugleich seine größte offene Frage. Hegenbarth nennt sehr viele Vorhaben und kündigt ausdrücklich an, Prioritäten transparent zu machen. Eine vollständige veröffentlichte Reihenfolge nach Dringlichkeit, Kosten und zeitlicher Umsetzbarkeit ist bislang jedoch nur teilweise erkennbar. Auch in der Wahlarena blieb offen, welche Projekte bei einer weiterhin angespannten Haushaltslage zunächst warten müssten. Sein Programm beschreibt besonders ausführlich, was er verändern möchte – aber deutlich weniger, wie die vielen Vorhaben finanziell und zeitlich gegeneinander gewichtet werden sollen.
Matthias Penteker
Matthias Penteker besitzt von allen Kandidaten das am stärksten auf Begrenzung und finanzielle Zurückhaltung ausgerichtete Profil. Grundsteuer, Ausgabendisziplin, Flächenverbrauch und mehr direkte Bürgerentscheidungen stehen im Mittelpunkt seiner öffentlichen Aussagen. Seine zentralen Botschaften sind klar, leicht verständlich und wiederholen sich konsequent.
In der Wahlarena zeigte sich allerdings mehrfach, dass diese Schwerpunkte andere Fragen überlagern. Auch bei Jugend, Sport oder gesellschaftlichen Angeboten kehrte Penteker häufig zur Grundsteuer und zur Begrenzung städtischer Ausgaben zurück. Dadurch wurde seine grundsätzliche Priorität deutlich, konkrete Antworten auf das jeweils angesprochene Thema blieben teilweise aus.
Die entscheidende Lücke ist der weiterhin fehlende Sparplan. Penteker fordert eine Senkung der Grundsteuer und eine konsequente Begrenzung der Ausgaben, nennt aber keine ausreichend bezifferten Haushaltspositionen, Leistungen oder Investitionen, bei denen er kürzen würde. Ebenso bleibt sein veröffentlichtes Angebot bei Verwaltung, Bildung, Kultur, Vereinen, sozialer Infrastruktur und Klimaanpassung vergleichsweise schmal. Er beschreibt vor allem, was aus seiner Sicht nicht mehr geschehen soll. Weniger klar ist, welche eigenen Projekte und Entwicklungsschwerpunkte er als Bürgermeister setzen würde.
Stefan Juchems
Stefan Juchems besitzt das deutlichste Verwaltungs- und Organisationsprofil. Transparente Verfahren, klare Zuständigkeiten, Digitalisierung, Beteiligung, Fördermittelmanagement und eine verlässliche Umsetzung politischer Beschlüsse bilden den Kern seiner Kandidatur. Seine berufliche Erfahrung ist für viele interne Organisations- und Steuerungsaufgaben eines Rathauses relevant.
Dieses Profil bestätigte sich in der Wahlarena. Juchems argumentierte ruhig, strukturiert und häufig aus der Perspektive rechtlicher Zuständigkeiten und sauberer Entscheidungsprozesse. Besonders bei der Rolle des Bürgermeisters, bei Videoüberwachung und bei der Entwicklung von Flächen warnte er vor vorschnellen Festlegungen, bevor Fakten, Zuständigkeiten und Folgen geklärt sind.
Seine Zurückhaltung schützt vor unrealistischen Versprechen, lässt seine Kandidatur aber stellenweise abstrakt wirken. Bei mehreren großen Bensheimer Fragen bleibt offen, welches Ergebnis er persönlich anstrebt und für welche konkreten Projekte er politische Mehrheiten organisieren würde. Auch seine finanzpolitischen Vorstellungen, eine konkrete zeitliche Reihenfolge für die ersten Monate und messbare Ziele für die Verwaltung sind bislang nur begrenzt ausgearbeitet. Juchems beschreibt besonders nachvollziehbar, wie er arbeiten möchte. Weniger klar ist weiterhin, welche politischen Entscheidungen dabei zuerst herauskommen sollen.
Carmelo Torre
Carmelo Torre verfügt über umfangreiche Erfahrung in den bestehenden kommunalpolitischen Strukturen Bensheims. Er kennt politische Abläufe, wirtschaftliche Akteure, Vereine und laufende Projekte und argumentiert häufig aus diesem Wissen heraus. Seine Schwerpunkte liegen unter anderem bei Wirtschaft, Stadtentwicklung, Vereinsförderung, Sicherheit und der Zusammenarbeit verschiedener Institutionen.
In der Wahlarena wurde dieses Profil besonders beim Neumarkt-Center, bei Gewerbeflächen und bei möglichen Finanzierungsmodellen sichtbar. Torre konnte Prozesse und bestehende Zusammenhänge häufig detailliert erläutern und machte deutlich, dass ein Bürgermeister nicht nur verwalten, sondern Gespräche führen, Akteure zusammenbringen und politische Mehrheiten organisieren müsse.
Gerade seine langjährige Einbindung führt jedoch zu einer besonderen Frage. Torre steht einerseits für Erfahrung und unmittelbare Handlungsfähigkeit, andererseits aber auch für politische Strukturen, die an der bisherigen Entwicklung Bensheims beteiligt waren. In der Wahlarena verteidigte er mehrfach das bereits Erreichte und widersprach einer zu negativen Bewertung der vergangenen Jahre. Weniger klar wurde, an welchen Punkten er selbst einen grundsätzlichen Kurswechsel einleiten würde. Erste Handlungsfelder und zeitliche Prioritäten benennt er durchaus – darunter Haushalt, Innenstadt, Parken und das aktuelle Handlungsfenster beim Neumarkt-Center.
Justin Arnold
Justin Arnold setzt vor allem auf Bürgernähe, Transparenz sowie die Perspektive von Kindern, Jugendlichen und Familien. In der Wahlarena sprach er häufig aus seinem eigenen Alltag und machte dadurch anschaulich, welche Angebote und Räume er in Bensheim vermisst. Bei Videoüberwachung, Flächenverbrauch und Innenstadtentwicklung vertrat er differenzierte Positionen und vermied einfache Antworten.
Seine Stärke liegt in einer verständlichen und nahbaren Ansprache. Er vermittelt den Wunsch, politische Entscheidungen stärker aus der Sicht der Menschen zu betrachten, die von ihnen im Alltag betroffen sind. Besonders bei Familienangeboten und der Gestaltung öffentlicher Räume wurden seine Vorstellungen auf der Bühne greifbarer als auf seiner bisherigen Website.
Das veröffentlichte Programm bleibt allerdings sehr knapp. Zentrale Bereiche wie Finanzen, Verwaltungsführung, Wirtschaft, Personal, Infrastruktur und konkrete Beteiligungsverfahren sind bislang kaum ausgearbeitet. Auch die Frage, welche beruflichen oder politischen Erfahrungen ihn auf die Leitung einer großen Verwaltung vorbereitet haben, wurde durch die Wahlarena nicht abschließend beantwortet. Arnold benennt nachvollziehbare Werte und Zielgruppen, muss daraus aber noch ein belastbares Konzept für das gesamte Bürgermeisteramt entwickeln.
Kevin Bösel
Kevin Bösel trat in der Wahlarena offen, persönlich und ohne den Versuch auf, fehlende Kenntnisse zu überspielen. Mehrfach sagte er klar, wenn ihm Informationen fehlten oder er eine Frage nicht abschließend beantworten konnte. Diese Offenheit unterschied ihn wohltuend von dem verbreiteten politischen Reflex, auch ohne ausreichende Grundlage eine scheinbar vollständige Antwort zu geben.
Er betonte besonders die Perspektive von Familien, Bürgernähe und einen verantwortungsvollen Umgang mit den städtischen Finanzen. Seine Kandidatur versteht er zugleich als Zeichen dafür, dass sich auch Menschen ohne langjährige politische Laufbahn einbringen und Verantwortung übernehmen können.
Für die Bewertung einer Bewerbung um das Bürgermeisteramt reicht persönliche Glaubwürdigkeit allein jedoch nicht aus. Zu zahlreichen Kernaufgaben der Stadtverwaltung, zur Haushaltskonsolidierung, zur Wirtschaftspolitik, zu Sicherheit, Vereinen, Kultur und Stadtentwicklung liegen bislang kaum belastbare öffentliche Positionen vor. Auch in der Wahlarena wurden deutliche Wissenslücken sichtbar. Bösel erhielt damit die Gelegenheit, sich als Person vorzustellen. Ein ausreichend umfassendes politisches und fachliches Angebot für die Leitung der Stadt ist öffentlich bislang aber nur in Ansätzen erkennbar.
In der Zusammenschau besitzt damit jeder Kandidat ein erkennbares Grundprofil. Hegenbarth steht vor allem für Projekte, Netzwerke und örtliche Praxis, Penteker für Begrenzung und finanzielle Disziplin, Juchems für Verwaltung und transparente Verfahren, Torre für politische Erfahrung und institutionelle Steuerung, Arnold für Familienperspektive und Bürgernähe und Bösel für einen persönlichen und parteilosen Zugang.
Keines dieser Profile deckt bislang alle Anforderungen des Amtes gleichermaßen ab. Je nach Kandidatur bleiben die konkrete Reihenfolge und Finanzierung vieler Vorhaben, politische Zielentscheidungen, fachliche Voraussetzungen oder die Breite des veröffentlichten Programms unterschiedlich stark offen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, welcher Schwerpunkt persönlich am meisten anspricht. Ebenso wichtig ist, welche Lücken sich im Verlauf des weiteren Wahlkampfs noch schließen – und welche auch am Wahltag bestehen bleiben.
Was der Live-Chat zusätzlich zeigte
Parallel zur Wahlarena wurde auch im YouTube-Live-Chat intensiv diskutiert. Insgesamt kamen dort rund 450 tatsächliche Beiträge von etwa 70 Accounts zusammen. Die Zahlen vermitteln zunächst den Eindruck einer breiten Beteiligung, dürfen aber nicht mit einem repräsentativen Meinungsbild verwechselt werden. Die zehn aktivsten Accounts verfassten zusammen ungefähr die Hälfte aller Beiträge. Einzelne Personen konnten die wahrnehmbare Stimmung dadurch erheblich prägen.
Der Chat war dennoch mehr als eine Ansammlung von Jubelrufen und Zwischenrufen. Zahlreiche Nutzer stellten konkrete Fragen zur Haushaltslage, zur Grundsteuer, zu Gewerbeflächen, zum Neumarkt-Center, zur Innenstadt, zu bezahlbarem Wohnen, zur Digitalisierung der Verwaltung, zu Jugendangeboten, Sportstätten und sicheren Schulwegen. Einige dieser Fragen wurden von der Redaktion aufgegriffen und später auf der Bühne gestellt. Der Chat ergänzte die Veranstaltung damit um Themen und Nachfragen, für die im Saal nicht immer ausreichend Zeit vorhanden war.
Daneben war deutlich erkennbar, dass einzelne Unterstützer versuchten, für ihren bevorzugten Kandidaten Stimmung zu machen. Besonders sichtbar war die Unterstützung für Harry Hegenbarth. Sein Name, sein Wahlkampfslogan und positive Bewertungen seines Auftritts tauchten häufig auf. Carmelo Torre wurde dagegen besonders oft mit der bisherigen Stadtpolitik und dem Vorwurf eines bloßen „Weiter so“ verbunden. Seine Erfahrung wurde von Unterstützern als Vorteil hervorgehoben, von Kritikern jedoch als Mitverantwortung für bestehende Probleme ausgelegt.
Bei Stefan Juchems konzentrierten sich viele Kommentare zunächst auf seinen Wohnort und frühere Bürgermeisterkandidaturen. Im weiteren Verlauf erhielt er zugleich Zustimmung für sachliche und strukturierte Antworten. Matthias Penteker polarisierte besonders bei Grundsteuer, Videoüberwachung und seiner politischen Einordnung. Justin Arnold erhielt vor allem zu Beginn sichtbare Unterstützung, spielte in der späteren inhaltlichen Diskussion aber eine geringere Rolle. Kevin Bösel wurde im Chat vergleichsweise selten ausführlich bewertet.
Diese Verteilung sagt allerdings wenig darüber aus, wie die Zuschauer insgesamt oder gar die Bensheimer Wahlberechtigten den Abend beurteilt haben. Wer kommentiert, entscheidet sich selbst dafür. Unterstützer können gezielt mobilisiert werden, kritische Stimmen schreiben häufig mehr als zufriedene Zuschauer, und viele Menschen verfolgen einen Livestream vollständig, ohne einen einzigen Beitrag abzugeben. Auch die Zahl der Herzchen, Namensnennungen oder positiven Kommentare ist deshalb kein belastbarer Hinweis auf ein späteres Wahlergebnis.
Auffällig war außerdem, dass sich sachliche Diskussionen und gewöhnliche Chat-Dynamik ständig abwechselten. Neben ernsthaften Fragen standen kurze Reaktionen, Scherze, persönliche Spitzen, Wiederholungen und vereinzelte Provokationen. Ein größerer Teil der Beiträge beschäftigte sich zudem mit der Werbung im Stream, technischen Unterbrechungen und der Übertragung selbst. Die Moderation der Wahlarena wurde im Chat dagegen überwiegend ausdrücklich gelobt – auch von Nutzern, die mit einzelnen Fragen, Redezeiten oder Kandidatenauftritten unzufrieden waren.
Der Live-Chat eignet sich damit vor allem als ergänzender Resonanzraum. Er zeigt, welche Aussagen unmittelbar Widerspruch auslösten, welche Themen Menschen zu Nachfragen bewegten und welche Kandidaten über besonders aktive Unterstützer verfügten. Als Abstimmung darüber, wer den Abend „gewonnen“ habe, ist er ungeeignet. Dafür war die Beteiligung zu selbstselektiv und zu stark auf eine vergleichsweise kleine Zahl besonders aktiver Accounts konzentriert.
Welche Positionen passen zu den eigenen Vorstellungen?
Eine vergleichende Auswertung kann zeigen, welche Schwerpunkte die Kandidaten setzen, wie konkret ihre Aussagen sind und welche Fragen offenbleiben. Sie kann den Wählerinnen und Wählern die eigentliche Entscheidung jedoch nicht abnehmen. Denn dabei geht es nicht nur um Umfang und Qualität eines Programms, sondern auch darum, welche politischen Ziele man selbst für besonders wichtig hält.
Der Bensheim-Kompass ermöglicht deshalb einen anderen Zugang. Anhand konkreter Thesen können die eigenen Positionen mit den Antworten und Begründungen der Kandidierenden verglichen werden. Er ist keine Wahlempfehlung, sondern eine zusätzliche Orientierungshilfe – und bietet zugleich die Möglichkeit, die teilweise erheblichen Unterschiede hinter ähnlich klingenden Wahlkampfaussagen genauer zu betrachten.
Der Bensheim-Kompass ergänzt die Programmanalyse um einen persönlichen Vergleich. Nutzerinnen und Nutzer beantworten kommunalpolitische Thesen und können anschließend nachvollziehen, bei welchen Themen die größten Schnittmengen mit den eingereichten Antworten der Kandidierenden bestehen.
Ein zusätzlicher Zugang zu den Positionen der Kandidierenden.
Mehr Klarheit – aber keine einfache Entscheidung
Die BA-Wahlarena war ein wichtiger Abend für den Bensheimer Wahlkampf. Alle sechs Kandidaten mussten auf dieselben Fragen reagieren, auf Einwände eingehen und ihre Vorstellungen außerhalb vorbereiteter Texte erläutern. Dadurch wurden persönliche Stärken, politische Schwerpunkte und fachliche Lücken erkennbarer als auf Plakaten, Flyern oder einzelnen Social-Media-Beiträgen.
Eine eindeutige Rangfolge ergibt sich daraus nicht. Harry Hegenbarth verbindet zahlreiche konkrete Ideen mit örtlicher Praxis und einem breiten Netzwerk, hat für viele seiner Vorhaben bislang jedoch noch keine vollständige zeitliche und finanzielle Reihenfolge veröffentlicht. Matthias Penteker setzt konsequent auf Begrenzung, Steuersenkung und Ausgabendisziplin, bleibt jedoch den konkreten Weg dorthin schuldig. Stefan Juchems besitzt ein klares Verwaltungs- und Verfahrensprofil, lässt bei mehreren politischen Richtungsentscheidungen aber noch offen, welches Ergebnis er persönlich anstrebt.
Carmelo Torre bringt umfangreiche kommunalpolitische Erfahrung und genaue Kenntnisse der bestehenden Strukturen mit, muss jedoch deutlicher machen, wo er nicht nur für Weiterentwicklung, sondern für einen tatsächlichen Kurswechsel steht. Justin Arnold vermittelt Bürgernähe und eine glaubwürdige Familienperspektive, hat wesentliche Bereiche des Amtes bislang aber nur knapp ausgearbeitet. Kevin Bösel tritt offen und persönlich auf, muss seine Kandidatur fachlich und programmatisch jedoch noch erheblich verbreitern.
Damit steht die Wahl zwischen sehr unterschiedlichen Profilen – und nicht zwischen einem vollständigen Angebot und fünf offensichtlich falschen Alternativen. Die Wahlarena hat die Entscheidung deshalb nicht einfacher, aber deutlich fundierter gemacht. Genau darin liegt ihr Wert: Sie hat Unterschiede sichtbar gemacht, vermeintlich einfache Antworten hinterfragt und zugleich gezeigt, an welchen Punkten die Kandidaten bis zur Wahl noch konkreter werden müssen. Am Ende bleibt es Aufgabe jedes Einzelnen, nicht nur auf Sympathie, Bekanntheit oder einzelne Versprechen zu schauen, sondern auch auf Umsetzbarkeit, Prioritäten und das Verständnis vom Amt des Bürgermeisters.
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Zuletzt aktualisiert am 2. August 2026



