Bensheim & Umgebung

Ein Abend voller Wein und Wissen: Eine Entdeckungsreise durch die Weinberge der Bergstraße

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ZUM BEITRAG
16 Weine, zwei Weingüter und eine Premiere beim NABU Meerbachtal: Ein Rückblick auf die Weinprobe in Bensheim-Zell mit Hintergründen zur Hessischen Bergstraße, zu Klimaveränderungen im Weinberg, pilzwiderstandsfähigen Rebsorten und dem Wert dieser Kulturlandschaft für die Artenvielfalt.
1. November 2026
Zuletzt aktualisiert am 1. November 2026

Lesedauer: 9 Min.

Titelbild: Weinprobe des NABU Meerbachtal im Dorfgemeinschaftshaus Zell · © Michael K. Kärchner
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Gelbe Tischdecken, herbstliche Dekoration, lange Reihen mit Weingläsern und ein bis auf den letzten Platz gut gefüllter Saal: Die Weinprobe des NABU Meerbachtal am 31. Oktober 2026 im Dorfgemeinschaftshaus Bensheim-Zell war nicht nur ein geselliger Abend, sondern zugleich eine kleine Entdeckungsreise durch die Weinberge der Region. 16 Weine, Informationen über Rebsorten und Weinlagen sowie überraschende Einblicke in den Klimawandel und einen naturverträglicheren Weinbau machten deutlich, dass in den heimischen Weinbergen weit mehr steckt als ein schönes Ausflugsziel.

Eine Premiere gab es in diesem Jahr bei der fachlichen Begleitung. In den vergangenen Jahren hatte Walter Götzinger vom gleichnamigen Weingut aus Zell die Weinproben allein gestaltet. Diesmal stand mit Eva Dingeldey vom Weingut Volker Dingeldey aus dem benachbarten Gronau erstmals ein zweiter Betrieb mit auf der Bühne. Die beiden ergänzten sich nicht nur durch ihre Weinauswahl: Walter Götzinger präsentierte seine Weine in gewohnt launiger Art und sorgte mit manchen trockenen Bemerkungen für reichlich Lacher. Eva Dingeldey steuerte fundiertes Fachwissen und zusätzliche Perspektiven auf Weinbau und Bewirtschaftung bei. Das machte es ausgesprochen kurzweilig, beiden zuzuhören, und die gemeinsame Premiere kam beim Publikum sehr gut an.

Zwischen den Verkostungsrunden blieb reichlich Zeit für Gespräche und Begegnungen. Gerade diese Verbindung von Genuss, regionalen Produkten und verständlich vermitteltem Wissen macht den besonderen Reiz des Abends aus. Denn die Weinberge zwischen Zwingenberg, Bensheim und Heppenheim gehören so selbstverständlich zum Landschaftsbild, dass leicht in Vergessenheit gerät, wie viel Geschichte, Arbeit und Natur in ihnen stecken. Wie klein ist das Weinbaugebiet tatsächlich? Was verändert der Klimawandel? Und weshalb könnten neue Rebsorten auch für Insekten, Böden und die Umwelt interessant werden?

Die Hessische Bergstraße: klein, aber überraschend vielfältig

Die Hessische Bergstraße wurde über lange Zeit als Deutschlands kleinstes Qualitätsweinanbaugebiet bezeichnet. Nach den amtlichen Rebflächenzahlen für 2025 liegt sie mit rund 440 Hektar inzwischen jedoch ganz knapp vor dem Mittelrhein mit 439 Hektar und ist damit das zweitkleinste der 13 deutschen Anbaugebiete. Zum Vergleich: Rheinhessen, die größte Weinregion Deutschlands, umfasst 27.657 Hektar. Die Bergstraße erreicht damit nicht einmal zwei Prozent von dessen Rebfläche. Gemessen an dieser Größe bietet das kleine Anbaugebiet eine erstaunliche Vielfalt an Lagen, Rebsorten und Betriebsformen.

Der größte Teil liegt im Bereich Starkenburg entlang des westlichen Odenwaldrandes. Von einzelnen Weinbergen südlich Darmstadts über Alsbach und Zwingenberg erstreckt er sich bis nach Bensheim und Heppenheim. Hinzu kommt ein zweiter, räumlich getrennter Bereich: die Odenwälder Weininsel rund um Groß-Umstadt. Insgesamt zählt das Anbaugebiet 23 anerkannte Einzellagen. Namen wie Bensheimer Hemsberg, Bensheimer Paulus, Bensheimer Kirchberg oder Heppenheimer Stemmler bezeichnen dabei nicht bloß die Herkunft auf dem Etikett. Dahinter stehen konkrete Weinberge mit unterschiedlicher Ausrichtung, Hangneigung und Bodenbeschaffenheit.

Die Wurzeln des Weinbaus reichen bis weit in die Geschichte zurück. Die Römerzeit gilt als früher Bezugspunkt, schriftlich nachweisen lässt sich der Weinbau spätestens im frühen Mittelalter, unter anderem durch Überlieferungen des Klosters Lorsch. Über Jahrhunderte prägten die Weinberge die Landwirtschaft und das Landschaftsbild. Seit 1971 ist die Hessische Bergstraße ein eigenständiges Qualitätsweinanbaugebiet; zuvor war sie mit der Badischen Bergstraße verbunden.

Die Region in Zahlen · Stand 2025
Hessische Bergstraße auf einen Blick
440 ha
 
bestockte Rebfläche im amtlichen Vergleich der Weinbaugebiete
23
 
anerkannte Einzellagen im Anbaugebiet
34 %
 
der Fläche sind ungefähr mit Weißem Riesling bestockt
Wie klein ist die Region? Rebflächenvergleich 2025
Mittelrhein
 
439 ha
Hess. Bergstraße
 
440 ha
Ahr
 
535 ha
Zum Größenvergleich: Rheinhessen hat 27.657 ha Rebfläche. Die Balken zeigen nur die drei kleinsten deutschen Qualitätsweinanbaugebiete auf einheitlicher Skala. Quellen: Statistisches Bundesamt und Regierungspräsidium Darmstadt.

Die günstigen Bedingungen erklären sich vor allem durch die Lage am westlichen Rand des Odenwaldes. Die Höhenzüge schirmen viele Weinberge gegen kalte Ostwinde ab, nach Westen und Süden gerichtete Hänge bekommen reichlich Sonne. Hinzu kommen unterschiedliche Böden aus verwittertem Gestein, Sand, Lehm und Löss. Sie speichern Wärme und Wasser in unterschiedlichem Maß und beeinflussen, wie die Reben wachsen. Für den Raum Heppenheim gibt das Regierungspräsidium Darmstadt eine mittlere Jahrestemperatur von 11,6 Grad Celsius für die Jahre 1991 bis 2020 an. Auch die frühe Mandelblüte, die der Bergstraße ihren Ruf als Frühlingsregion eingebracht hat, hängt mit diesen vergleichsweise milden Bedingungen zusammen.

16 Weine, zwei Weingüter und unterschiedliche Handschriften

Das Weingut Götzinger bewirtschaftet in Bensheim-Zell nach eigenen Angaben rund 15 Hektar Rebfläche und zählt damit zu den größeren privaten Weinvermarktern der Hessischen Bergstraße. Zu seinen Lagen gehören unter anderem der Bensheimer Streichling, der Bensheimer Paulus und der Heppenheimer Stemmler. Neben den klassischen Rieslingen und Burgundersorten umfasst das Sortiment auch Gewürztraminer, Roten Muskateller und Cabernet Mitos. Eine Spezialität des Hauses ist der Rote Riesling, eine historische Sorte, die an der Bergstraße wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt ist.

Das Weingut Volker Dingeldey im benachbarten Gronau ist mit rund zwei Hektar deutlich kleiner. Der Familienbetrieb setzt auf viel Handarbeit und beschreibt seine Bewirtschaftung als biologisch orientiert. Mit gezielten Begrünungseinsaaten zwischen den Reben sollen unter anderem Bodenstruktur und Artenvielfalt gefördert werden. Eva Dingeldey hat Weinbau und Önologie studiert und bringt neben der Erfahrung aus dem Familienbetrieb zusätzliche fachliche Perspektiven ein. Gerade im direkten Vergleich wurde deutlich, wie unterschiedlich die Voraussetzungen und Arbeitsweisen selbst innerhalb einer kleinen Weinregion sein können.

Ausgeschenkt wurden alle 16 angekündigten Weine. Die Auswahl umfasste unter anderem St. Laurent, Schwarzriesling, Regent, Cabernet Mitos und Spätburgunder Rosé ebenso wie verschiedene Rieslinge, Weiß- und Grauburgunder, Gewürztraminer und Roten Muskateller. Der Weiße Riesling bleibt die wichtigste Rebsorte der Region: Laut den weinbaulichen Kenndaten des Regierungspräsidiums Darmstadt entfielen 2025 knapp 34 Prozent der Bergsträßer Rebfläche auf ihn. Es folgten Grauburgunder, in der Statistik als Ruländer geführt, mit rund 13 Prozent und Spätburgunder mit etwa elf Prozent.

Zwischen den einzelnen Proben boten sich auch kleine Ausflüge in die Welt der Weinbegriffe an. Roter Riesling klingt beispielsweise nach Rotwein, ist aber eine Weißweinrebsorte mit rötlichen Beerenschalen. Ein Rotling wird aus einer gemeinsamen Verarbeitung von roten und weißen Trauben gewonnen, während ein Blanc de Noir ein heller Wein aus dunklen Trauben ist. Solche Unterschiede erklären sich vor allem dadurch, dass die Farbstoffe bei vielen roten Traubensorten hauptsächlich in den Schalen sitzen. Die Farbe des Weins verrät deshalb nicht zwangsläufig, welche Farbe die Trauben ursprünglich hatten.

Gut zu wissen
Vier Weinbegriffe, kurz erklärt
Roter Riesling
Historische Riesling-Variante mit rötlicher Beerenschale, aus der Weißwein hergestellt wird.
Rotling
Wein aus roten und weißen Trauben, die gemeinsam verarbeitet werden – nicht einfach ein anderes Wort für Rosé.
Blanc de Noir
Heller Wein aus dunklen Trauben, bei dem der Kontakt des Saftes zu den farbgebenden Schalen möglichst gering bleibt.
PIWI
Abkürzung für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Sie können den notwendigen Pflanzenschutz deutlich verringern.
Die Begriffe beziehen sich auf unterschiedliche Dinge: Rebsorte, Weinart, Herstellungsverfahren und Züchtungseigenschaft. Weitere Erläuterungen bietet das Deutsche Weininstitut.

Wie sich der Klimawandel in den Weinbergen bemerkbar macht

Ein wichtiger Teil der Veranstaltung beschäftigte sich mit den klimatischen Veränderungen. Auf der Leinwand wurden lange Messreihen der Hochschule Geisenheim gezeigt, die unter anderem die Septembertemperaturen und Niederschläge seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert veranschaulichten. Besonders beim Temperaturverlauf ließ sich der langfristige Erwärmungstrend deutlich erkennen. Während es früher häufiger Septembermonate unterhalb des langjährigen Mittels gab, liegen die Werte in jüngerer Zeit oft darüber. Bei den Niederschlägen zeigen sich dagegen große Unterschiede von Jahr zu Jahr, mit teils ausgesprochen trockenen und teils sehr nassen Monaten.

Ein aktuelles Beispiel lieferte der September 2026. An der Wetterstation Geisenheim lag die Monatsmitteltemperatur bei 18,1 Grad Celsius, rund 2,8 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Statt der üblichen 42,8 Liter Regen pro Quadratmeter fielen lediglich 9,8 Liter. Die Messstation liegt im Rheingau und nicht in Bensheim; die Daten sind deshalb kein Ersatz für eine lokale Klimastatistik der Bergstraße. Sie illustrieren aber sehr anschaulich, welche Wetterbedingungen den Weinbau in der weiteren Region beschäftigen.

Klima im Weinbau · September 2026
Ein warmer und ausgesprochen trockener Monat
Durchschnittstemperatur
18,1 °C
Langjähriges Mittel (1991–2020): 15,3 °C
+2,8 °C Abweichung
Monatsniederschlag
9,8 l/m²
Langjähriges Mittel (1991–2020): 42,8 l/m²
Rund 77 % weniger Regen
 
Rot: Anteil des tatsächlichen Regens am langjährigen Mittel
Messstation Geisenheim im Rheingau, nicht Bensheim. DWD-Daten, aufbereitet vom Regierungspräsidium Darmstadt; veröffentlicht in der Monatsauswertung September 2026. Einzelne Monatswerte belegen für sich genommen noch keinen Klimatrend; dafür sind die langen Zeitreihen entscheidend.

Mehr Wärme ist für Reben nicht automatisch schlecht. Eine längere Vegetationsperiode kann die Reife fördern, und an manchen Standorten sind dadurch Sorten möglich, die früher schwer anzubauen waren. Gleichzeitig kann bei hohen Temperaturen die Zuckerbildung schneller voranschreiten, was den späteren Alkoholgehalt, die Säure und das Aroma beeinflusst. Längere Trockenperioden belasten besonders junge Reben oder Standorte mit flachgründigen Böden. Wenn der Austrieb in milden Frühjahren früher beginnt, können außerdem späte Frostnächte größere Schäden anrichten. Starkregen wiederum kann an steilen Weinbergen wertvollen Boden fortspülen, wenn dieser nicht ausreichend geschützt ist.

Wie in der Stadtentwicklung stellt sich deshalb auch im Weinbau die Frage, wie sich bestehende Strukturen an veränderte Bedingungen anpassen lassen. Nur sind die Antworten hier andere: standortangepasste Begrünung, sorgfältiger Umgang mit Wasser, angepasste Bewirtschaftung und langfristig vielleicht auch andere Rebsorten. Die grundsätzlichen Herausforderungen – mehr Hitze, Trockenperioden und Starkregen – sind zugleich Themen der regionalen Klimaanpassung. Auch der Beitrag über Bensheims Masterplan Klimaschutz II zeigt, wie eng Klimaentwicklung, Flächennutzung und die Gestaltung unserer Umgebung miteinander verbunden sind.

PIWI-Rebsorten: Weniger Pflanzenschutz durch widerstandsfähige Trauben

Eine mögliche Antwort auf die ökologischen Herausforderungen des Weinbaus sind sogenannte PIWI-Rebsorten. Die Abkürzung steht für „pilzwiderstandsfähig“. Dahinter steckt die Züchtung von Reben, die gegenüber bestimmten Krankheiten widerstandsfähiger sind, insbesondere gegen Echten und Falschen Mehltau. Diese Krankheiten können im Weinbau erhebliche Schäden verursachen. Bei empfindlichen Sorten sind deshalb regelmäßig Pflanzenschutzbehandlungen notwendig – auch im ökologischen Weinbau, in dem allerdings andere Wirkstoffe und Mittel zulässig sind als im konventionellen Anbau.

Durch klassische Kreuzungen von widerstandsfähigen Wildreben mit europäischen Kulturreben konnten Sorten entwickelt werden, die deutlich weniger Behandlungen benötigen. Das Deutsche Weininstitut nennt je nach Rebsorte und Bedingungen eine mögliche Verringerung der Pflanzenschutzmaßnahmen um bis zu 80 Prozent. Damit sinken zugleich die Zahl der Maschinenfahrten durch die Rebzeilen, der Kraftstoffbedarf und die Belastung des Bodens durch Befahrung. Ein vollständiger Verzicht auf Pflanzenschutz ist allerdings nicht automatisch möglich. Auch PIWI-Sorten können unter ungünstigen Bedingungen erkranken, und ihre Widerstandsfähigkeit schützt nicht gegen jede Krankheit.

Zu diesen Sorten gehören beispielsweise Regent, Cabernet Blanc, Souvignier Gris und Calardis Blanc. Mit Regent und Calardis Blanc standen zwei davon auf der Weinliste des Abends. Eine gezeigte Grafik zur Hessischen Bergstraße verdeutlichte außerdem, dass sich die mit solchen Rebsorten bestockte Fläche zwischen 2015 und 2022 ungefähr verdreifacht hatte – von rund zehn auf etwa 30 Hektar. Das sind Werte aus einer älteren Zeitreihe, keine aktuelle Bestandsaufnahme für 2026. Bundesweit machen PIWI-Rebsorten inzwischen ungefähr vier Prozent der Weinbaufläche aus. Entscheidend für ihren weiteren Erfolg ist neben der Widerstandsfähigkeit natürlich auch, dass die Weine bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern Anklang finden. Wer beim nächsten Einkauf gezielt nach einer PIWI-Sorte fragt, kann die Entwicklung unmittelbar kennenlernen.

Weinberge als Lebensräume – und die Bedeutung alter Trockenmauern

Die Weinberge der Bergstraße sind landwirtschaftlich genutzte Flächen und zugleich Teil einer gewachsenen Kulturlandschaft. Je nach Bewirtschaftung und Struktur können sie wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen bieten. Dabei sind es oft nicht allein die Rebzeilen, sondern die Bereiche dazwischen und daneben, die ökologisch besonders interessant sind: Trockenmauern, Böschungen, Hecken, blütenreiche Wegränder, offene Bodenstellen und kleine Brachen. In sonnigen Lagen finden wärmeliebende Arten wie Mauer- und Zauneidechsen geeignete Bedingungen. Wildbienen und andere Insekten sind auf Nahrungspflanzen, Nistmöglichkeiten und Rückzugsorte angewiesen.

Nicht jeder Weinberg ist deshalb automatisch artenreich. Ein dauerhaft weitgehend vegetationsfreier Boden bietet andere Bedingungen als eine vielfältige Begrünung. Diese kann Insekten Nahrung bieten, die Bodenstruktur verbessern und bei Regen Erosion verringern. Gleichzeitig muss sie an die jeweiligen Standorte angepasst werden: Bei langer Trockenheit können zusätzliche Pflanzen zwischen den Reben um Wasser konkurrieren. Eine naturverträgliche Bewirtschaftung berücksichtigt deshalb Boden, Wasserhaushalt, Pflanzenschutz und den Erhalt von Randstrukturen gleichermaßen. Sie ist mehr als eine einzelne Blühmischung oder der Anbau einer robusteren Rebsorte.

Dass der NABU Meerbachtal den Wert solcher Strukturen nicht nur in Vorträgen vermittelt, zeigt ein eigenes Projekt in Bensheim-Gronau. Dort wurden historische Trockenmauern auf einem vereinseigenen Gelände aufwendig restauriert. Im September 2026 stellte die Ortsgruppe die sanierten Abschnitte der Öffentlichkeit vor. Trockenmauern werden ohne Mörtel errichtet. Zwischen den Steinen bleiben Fugen und Hohlräume, die sich unterschiedlich stark erwärmen und vielen Kleintieren Schutz bieten. Die Mauern sind damit zugleich Zeugnisse traditioneller Landschaftsnutzung und wichtige Lebensraumelemente. Ausführliche Informationen dazu bietet der Bericht des NABU Kreisverbands Bergstraße über die restaurierte Trockenmauer in Gronau.

Wer beim nächsten Spaziergang durch die Weinberge genauer hinsieht, entdeckt vielleicht mehr als nur eine schöne Aussicht auf die Rheinebene oder die Starkenburg. Zwischen den Reben wachsen unterschiedliche Kräuter und Gräser, an Böschungen finden sich mit etwas Glück blütenreiche Säume, und alte Natursteinmauern bieten Verstecke für kleine Tiere. Aus einzelnen Beobachtungen lässt sich noch keine vollständige ökologische Bewertung eines Betriebs ableiten. Sie schärfen aber den Blick für die Vielfalt einer Landschaft, die auch abseits der Weinlese Aufmerksamkeit verdient. Dabei gilt selbstverständlich: auf den Wegen bleiben und weder bewirtschaftete Flächen noch Tiere stören.

Ein gelungener Abend mit vielen Anknüpfungspunkten

Die Weinprobe des NABU Meerbachtal zeigte, dass sich fachliche Informationen, Weinverkostung und geselliger Austausch hervorragend verbinden lassen. Die gemeinsame Premiere mit Walter Götzinger und Eva Dingeldey brachte eine zusätzliche Perspektive und spürbar viel Abwechslung in den Abend. Walters gewohnt humorvolle Art und Evas fachlich fundierte Ergänzungen passten zusammen, ohne dass daraus ein trockener Fachvortrag wurde – trocken waren an diesem Abend schließlich schon einige der Weine. Die volle Halle und die vielen Gespräche zwischen den Verkostungen unterstrichen, wie gut diese Mischung ankam.

Am Ende bleibt mehr als die Erinnerung an 16 regionale Weine. Die Hessische Bergstraße ist nicht nur eine der kleinsten Weinregionen Deutschlands, sondern auch eine Kulturlandschaft, in der wirtschaftliche Nutzung, Klimaveränderungen und Naturschutz eng miteinander verflochten sind. Ob sich diese Landschaft nachhaltig entwickelt, hängt unter anderem von der Pflege der Böden, dem Umgang mit Wasser, widerstandsfähigen Rebsorten und dem Erhalt wertvoller Lebensräume ab. Ein Dank gilt den Ehrenamtlichen des NABU Meerbachtal für die aufwendige Organisation und den beiden Weingütern für einen ebenso informativen wie unterhaltsamen Abend. Die Weinberge vor der Haustür sind eben weit mehr als eine schöne Kulisse für ein Glas Wein.

Weiterführende Informationen und Quellen

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