Bensheim & Umgebung, Natur & Umwelt, Wandern

Die besten Beobachtungsgebiete zwischen Rhein & Main und an der hessischen Bergstraße

Artikelinfo
Titelbild: Bienenfresser (Merops apiaster) © Jürgen Schneider
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Viele touristische Ausflugsziele sind oft bekannt, vor allem in der eigenen Gegend. Was ist aber mit unseren Naturschutzgebieten? Man sieht viel zu selten etwas von unserer interessanten und beeindruckenden Naturlandschaft, dabei liegen spannende Gebiete oft ebenfalls direkt vor der eigenen Haustür. 

Vom Mönchsbruch mit seiner großen Dammhirschpopulation bis zum Waghäusel, wo jedes Jahr über 40 Paare Purpurreiher brüten und Plätze, an denen man Eisvogel und Bienenfresser aus nächster Nähe sehen kann, sowie ein Hang voller Küchenschellen oder Frauenschuh im Odenwald – Es gibt, ganz in unserer unmittelbaren Umgebung, viele interessante Natur-Beobachtungsgebiete.

10 davon stelle ich in diesem Artikel vor, angefangen in Bensheim und der nahen Umgebung, aber auch weiter entfernt gelegene Gebiete. Entnommen sind diese einem Online-Vortrag von Jürgen Schneider, dem Vorsitzenden der NABU Gruppe Meerbachtal, Zell/ Gronau. Falls Ihr interessiert seid, bietet die NABU Ortsgruppe ein spannendes Heft im PDF-Format, mit deutlich mehr Gebieten und auch mehr Details an. Mehr dazu am Ende des Artikels.

Wo & wie suche ich, auf was muss ich achten?

Um auch erfolgreich in der Natur zu beobachten gibt es einige Tipps, wie man vorgehen kann. Es gibt immer besondere Orte oder Situationen, die man mit einbeziehen kann. Auch die Art und Weise, wie ich mich in der Natur bewege kann mir größere Erfolgsaussichten bescheren. Hier einige Tipps, worauf man achten sollte und wie man sich am besten verhält.

  • Beobachtungshütten nutzen
  • Beim Spazieren immer auch auf den Boden schauen, wo man hintritt
  • Fruchtbäume, vor allem im Winter
  • Samentragende Sträucher und Gräser
  • Baumhöhlen
  • Felsnischen
  • Nistkästen
  • Winterfutterstellen

Beobachtungsgebiete: Verhaltensregeln!

  • NSG (Naturschutzgebiete) dürfen nur auf den ausgewiesenen Wegen betreten werden
  • Hunde an der Leine führen
  • Auf den Wegen bleiben
  • Kleidung und Rucksack auf den Wegen ablegen
  • Auch beim Fotografieren auf dem Weg bleiben
  • Keine Pflanzen pflücken
  • Nur auf den ausgewiesenen Flächen oder Wegen lagern
  • Tiere nicht beunruhigen
  • Keine Modell-Fahr- oder Flugzeuge starten
  • Flugverbot für Drohnen

 

Beobachtungsgebiete

Bensheim – Meerbachtal – Magerrasen von Gronau

In unserem Kerngebiet, dem Hartmannsrech, haben wir Wanderwege für Naturliebhaber gemäht, um unsere einmalige Natur erleben zu können. Eine detaillierte Karte findet Ihr auf unserer Homepage, oder Ihr geht bei unserer Wanderung am Pfingstmontag mit Über 180 Wildbienenarten konnten wir bisher nachweisen und aktuell haben wir 15 Orchideenarten auf unseren Flächen, plus zwei Arten, die wir ein paar Jahre nicht gesehen haben.

Unter den Schmetterlingen haben wir auf unseren Flächen drei extrem seltene FFH-Arten, den Thymian-, Hellen- und Dunklen Wiesenameisenbläuling). Die Gottesanbeterin wurde in unserem Gebiet als erstes nachgewiesen und bei den Pflanzen entdecken wir jedes Jahr Arten, die in Hessen als ausgestorben galten, wie z.B. der Grannen-Klappertopf, der seit 150 Jahren in Hessen nicht mehr gesehen wurde.

Geht durch unser Gebiet, schaut im Getreideacker nach Ackerwildkräutern und habt aber immer ein Auge auf den Boden, in dem die meisten unserer Bienen ihre Nester haben. Zum Beispiel die  Vierbindige und Gelbbindige Furchenbiene oder die Efeu Seidenbiene, deren Kolonie mittlerweile auf über 20.000 Nester angewachsen ist. „Alles richtig gemacht“!

NABU Getreideacker Meerbachtal | Foto: Jürgen Schneider
NABU Getreideacker Meerbachtal | Foto: Jürgen Schneider

Bensheim – Hemsberg

Das letzte Gebiet im Kreis Bergstraße, in dem man noch bis 2020 die Küchenschelle finden konnte. Aber in diesem Jahr gab es ein paar Löcher an den Standorten, und man konnte leider keine finden. Die Gottesanbeterin ist in den Sommermonaten immer zu finden und der Silbergrüne Bläuling hat am Hemsberg eine seiner größten Populationen in Hessen.

Das absolute Highlight ist natürlich die Zaunammer, von der 2020 zwei Paare am Hemsberg gebrütet haben. Von Zwingenberg bis Heppenheim konnten wir 2020 9 Brutpaare nachweisen, so viele Paare gab es noch vor 10 Jahren in ganz Deutschland.

Schwalbenschwanz (Papilio machaon) am Hemsberg | Foto: Jürgen Schneider
Schwalbenschwanz (Papilio machaon) am Hemsberg | Foto: Jürgen Schneider

Bensheim/Heppenheim Tongruben

Bis 1956 wurde im Gebiet noch Ton abgebaut, als es dann der Natur überlassen wurde, haben sich viele seltene Arten im Gebiet eingefunden. Vor allem kann man von der Beobachtungshütte aus, die der Förderverein Tongruben geplant hat und vom NABU Kreisverband bezahlt wurde, tolle Beobachtungen machen.

Vor allem lockt der Eisvogel viele Besucher, der oft seinen Ansitz keine 5 Meter neben der Hütte hat. Neben Grau-, Kanada- und Nilgans sind es verschiedene Entenarten und die Wasserralle, die man auch sehr schön beobachten kann. Im Mai kann man bei den Wanderungen im Gebiet meist Schwarz-, Grau-, Grün-, Bunt- und Mittelspecht, Kuckuck, Pirol, Rohrammer, Halsbandsittich, Dorn-, Klapper-, Garten- und Mönchsgrasmücke entdecken.

In einem künstlichen Nistkasten im Strommast am Naturschutzzentrum brütet seit einigen Jahren der Wanderfalke, den man auch sehr gut beobachten kann.

Eisvogel (Alcedo atthis) in den Tongruben | Foto: Jürgen Schneider
Eisvogel (Alcedo atthis) in den Tongruben | Foto: Jürgen Schneider

Heppenheim – Schloßberg

Zaunammer, Gartenrotschwanz und Dorngrasmücke sind unter den Vögeln die interessantesten Arten im Gebiet. Aber auch die Gottesanbeterin und die Mauereidechse sind entlang der Wanderwege in den Steinmauern leicht zu finden. Bevor es dunkel wird, lohnt sich ein Ausflug zum Schützenhaus, auf dem in manchen Jahren der Uhu balzt.

Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) am Schlossberg | Foto: Jürgen Schneider
Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) am Schlossberg | Foto: Jürgen Schneider

Lorsch – Weschnitzwiesen

Im Winter 2017/18 wurden die Weschnitzwiesen renaturiert und auf ca. 80 Hektar entstand eine Flußaue mit extensiv genutztem Auengrün.

In den neu geschaffenen Flachwasserbereichen sind während der Zugzeit oft Trupps mit Kiebitzen und vereinzelt Limikolen zu sehen. Enten und Gänse sind meist anzutreffen und  ab und zu auch Kraniche, die für einige Stunden rasten. Meist sind Silberreiher und Rehe zu beobachten, sowie Rohrweihe, Rot- und Schwarzmilan, die in dem nahe gelegenen Pappelwald brüten.

Auf den Wiesen sind im Frühjahr die Feldlerchen zu hören und zu sehen, und mit Glück erwischt man auch ein Rebhuhn. Am besten ist die Sicht von den beiden Aussichtstürmen.

Kraniche (Grus grus) in den Weschnitzwiesen | Foto: Jürgen Schneider
Kraniche (Grus grus) in den Weschnitzwiesen | Foto: Jürgen Schneider
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Neues aus dem Meerbachtal (1)

Neuschloß – Sendemaste

Das Heidegebiet an den Sendemasten wurde leider teilweise mit Kiefern aufgeforstet, aber auf den verbliebenen Flächen findet man noch die Heidelerche und Neuntöter. Sehr schön ist auch die Sandrasenvegetation im Gebiet.

Heidelerche (Lullula arborea) | Foto: Jürgen Schneider
Heidelerche (Lullula arborea) | Foto: Jürgen Schneider

Viernheim – Viernheimer Heide

Sehr gutes Gebiet für den Wendehals, der mit einigen Paaren dort brütet. Vor allem ist es aber der Ziegenmelker, der dort kurz vor der Dämmerung gehört und beobachtet werden kann.

Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus) in der Viernheimer Heide | Foto: Jürgen Schneider
Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus) in der Viernheimer Heide | Foto: Jürgen Schneider

Bickenbach – Erlensee und Landbach

Die ab 2004 renaturierte Fläche wurde 2006 geflutet und der Landbach bekam ein neues meanderndes Bachbett. Während der Zugzeit sind oft verschiedene Limikolen und Enten anzutreffen. Aber auch interessante Brutvogelarten wie z.B. der Eisvogel haben sich im Gebiet eingefunden. Auch die Wasserralle, Goldammer, Grau- und Silberreiher sowie der Nutria sind anzutreffen.

Bartmeise (Panurus biarmicus) am Erlensee bei Bickenbach | Foto: Jürgen Schneider
Bartmeise (Panurus biarmicus) am Erlensee bei Bickenbach | Foto: Jürgen Schneider

Rodau – Niederwaldsee

Auf dem Anglersee sind meist Stockenten und ab und zu auch Haubentaucher zu sehen. Im April und Mai im angrenzenden Wald sehr interessant, da dort der Bärlauch sehr schön und flächendeckend blüht. Wenn man genau hinschaut, findet man auch noch Gewöhnliche Goldnessel, Vielblütige Weißwurz oder Vielblütiges Salomonssiegel und den Gefleckten Aronstab.

Bärlauch (Allium ursinum) am Niederwaldsee | Foto: Jürgen Schneider
Bärlauch (Allium ursinum) am Niederwaldsee | Foto: Jürgen Schneider

Rüdesheim – Weinberge

Sehr gutes Gebiet für Zipp-, Zaun- und Goldammer, aber auch Bluthänfling, Dorngrasmücke und Gartenrotschwanz kann man sehen. Zwischen den Weinbergen sind immer wieder Brachflächen, diese müssen abgesucht werden nach den besonderen Arten.

Niederwalddenkmal | Foto: Jürgen Schneider
Niederwalddenkmal | Foto: Jürgen Schneider
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Online-Vortrag als Video

Informationsheft als PDF

Für alle, die an weiteren schönen Beobachtungsgebieten interessiert sind, bietet die NABU Ortstgruppe Meerbachtal ein Informationsheft im PDF-Format an. Dieses ist gegen einen Unkostenbeitrag von € 7,50.- direkt bei der Ortsgruppe zu beziehen, siehe Kontakt NABU Meerbachtal.

In diesem PDF findet man nicht nur diese und 15 weitere Beobachtungsgebiete, sondern auch detaillierte Karten mit den Wegen (oder Vorschlägen) durch die Gebiete und vieles mehr.

Die Inhalte im Heft

  • Die 10 hier vorgestellen, sowie 15 weitere, insgesamt 25 Beobachtungsgebiete
  • Detaillierte Karten inklusive Routen für alle 25 Beobachtungsgebiete
  • Zeit- und Km-Angaben
  • 100+ Fotos vieler Arten, die dort zu finden sind, z.B. Vögel, Schmetterlinge, Insekten…
  • Die besten Beobachtungszeiträume im Jahr
  • Insgesamt 57 Seiten

Weitere Beobachtungsgebiete

  • Mörfelden – Mönchsbruch
  • Nordheim – Steinerwald
  • Eich – Eich-Gimsheimer Altrhein
  • Lampertheim – Biedensand
  • Leeheim – Wächterstädter Wiesen
  • Stockstadt – NSG Kühkopf-Knoblochsaue
  • Worms – Tierpark
  • Worms-Rheindürkheim – Seegraben
  • Offstein – Klärteiche
  • Bobenheim-Roxheim – Silbersee
  • Waghäusel – Wagbachniederung
  • Wöllstein – Küchenschelle
  • Gerolsheim – Bienenfresser
  • Reinheim – Reinheimer Teiche
  • Altengronau/Jossa – Sinngrund – Schachbrettblume
  • Karlstadt – Frauenschuh

Kontakt NABU Meerbachtal

https://nabu-meerbachtal.de/kontakt/

Bankverbindung vom NABU (Spenden):
Naturschutzbund Deutschland Ortsgruppe Meerbachtal
Sparkasse Bensheim
SWIF-BIC: HELADEF1BEN
IBAN: DE36 5095 0068 000 501 274 5

Bitte dringend noch das Kennwort „Beobachtungsgebiete“ und die aktuelle E-Mailadresse angeben, damit das PDF an die richtige Stelle gemailt werden kann.

Wenn Ihr informiert werden wollt, wann der NABU Meerbachtal eine Veranstaltung oder einen weiteren Online-Vortrag anbietet, könnt Ihr Euch beim Newsletter unter https://nabu-meerbachtal.de/newsletter-bestellen anmelden.

Veröffentlichung in der Presse

Zum Vortrag von Jürgen Schneider vom NABU Meerbachtal wurde am 07. April 2021 im Bergsträßer Anzeiger ein schöner Artikel von Thomas Tritsch veröffentlicht, der dankenswerterweise offen (ohne Bezahlschranke) zu lesen ist:

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